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[Neunter Band. - Zehnter Band.]
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gebraucht, doch stets der Lüsternheit wohlgefällt. Schilling hat Mcn-schenkenntniß, leichten geselligen Witz, guten Dialog und nicht seltenecht komische Züge, z. B. in seinen Neunlödtern, der Wunderapotheke;aber sein Gotthold, der den Titel führt: kölnischer Roman, ist dochwohl nur ein Titnlar-Gotthold. Verdammt sei die Lesewnth derRomanhelden; auf diese kopflose Liebhaberei gründet sich die Viel-schreiberei.

Kotzebue bekümmerte sich mehr nm das Theater als den Roman;daher stehen seine Romane auch tief unter seinen Theaterstücken,meistens Kinder vorübergehender Laune, unter welchen sich noch die „Ge-schichte meines Vaters," oder „Wie es zuging, daß ich geboren wurde,"am meisten auszeichnet. Desto leichter fiel es daher dem Braun-schweiger Lafontaine, Hauptgötze der Romanwelt zu werden; er hatteals Feldpredigcr die preußischen Feldzüge mitgemacht am Rhein undschrieb nach dem Baseler Frieden zu Halle Romane bis an sein Ende1831; sein Privatstand hätte ihn wohl ein bischen belehren können,daß das Publikum doch höhere Achtung verdient als der Privatmann,und daß das leichtgläubige Publikum hintergehen so viel ist, alsApollo und Minerva und allen neun Musen, statt Verehrung, Verach-tung zuziehen. Er lieferte theils unterhaltende, theils rührende Fa-miliengemälde; seine Familie ist zahlreich, wenigstens fünfzig Glieder,und alle von frappanter Familienähnlichkeit. Bei Erscheinung seinesSonderlings, Hcymeran von Flemming, Familie Halden rc. erwarteteman noch Besseres; und siehe, es kam Schlechteres: St. Julien,Klara du Plessis und Clairant, der Landprediger, Carl EngelmannsTagebuch rc. Manche sahen ein, daß es doch an Genialität und Ori-ginalität gewaltig fehle, aber Lafontaine blieb doch der Götze des ge-meinen Lesepublikums und machte fich's nur noch leichter. II kaut guoso vivs! — la donno liouro, inonsisur, maio so n'on vois pas IsneosssitS!' Doch, ich bin nicht so hartherzig als der Minister Frank-reichs; er mag leben, aber nicht durch verächtliche Bücherschmierereien.

Einst bat sich ein Herzog von d'Alembert den ersten Band seinerWerke aus und gab solchen mit der Versicherung zurück, daß dasWerk köstlich sei, und bat um den zweiten Theil; da aber der Philo-soph seinen Mann kannte, so sandte er wieder den ersten Band undso fort; alle kamen mit Lob zurück, und der sechste und letzte Band,eigentlich aber der erste, mit dem Beisatz: „dieser ist.der allerbeste,

i Ich mutz doch reden. — Schon gut, mein Herr, allein ich sehe die Nothwendigleitdavon nicht ein.