141
"denn er enthält eine gedrängte Wiederholung aller vorigen fünf Theile."Für einen solchen Herzog muß Lafontaine das deutsche dumme Roma-nenpublikum angesehen haben, und verdient es, für etwas Besseresgehalten zu werden? Die Nothwendigkeiten des Lebens muß Lafontainegehabt haben: er hatte Pension, er konnte an Ehre, Ruhm und Nach-welt denken, und dann der Deutschen Goldsmith werden.
Von unsern humoristischen Romanen, die das Alltagspublikumnicht versteht, das höhere Lcscpublikum recht zu verstehen sich nichtdie Zeit und Mühe nimmt, und die dritte Klasse gar nicht aufschlagenmag, weil sie von unverschämten Prostibeln unverschämter Verlegernur den Modetitel Humoristisch führen, und beide nicht so eigent-lich wissen, was das edle Wort auf sich hat, haben wir bereits imzweiten Theil gesprochen; daher uns nur noch der satyrisch-komischeRoman übrig ist, und hier kann ich einen mir auch persönlich werthgewordenen Mann an die Spitze stellen, dem deutsche Literatur un-gemein viel verdankt, schon ganz allein bloß durch die allgemeinedeutsche Bibliothek seit 1765, wobei wir dankbar der vorausgegangenenBriefe, die neueste Literatur betreffend, vieruudzwanzig Bände, 1759bis 1766, gedenken wvllen, und welcher deutsche Mann hat nicht schonerrathen, daß ich von: Buchhändler und Akademiker Nicolai spreche?— Christoph Friedrich Nicolai wurde 1733 zu Berlin geboren, umdurch seine buchhäudlerische ungemeine Thätigkeit die politisch getrenn-ten Deutschen wenigstens durch geistiges Band und geistiges Interessezu vereinen, nnd namentlich den Süden mit dem Norden mehr zuverbinden; seine seltenste Eigenschaft war nicht sein satirischer Geist,sondern daß er nicht sowohl kaufmännischen Gewinn, als vielmehrdie Wissenschaft vor Augen hatte. Wie viele deutsche Verleger gibtes, die das sagen können, die Hand auf dem Gewissen, wenn sieeines haben?
Nicolais eigentlich geistiges Leben, ob er gleich für sich nachvollendeten Buchhandelsgeschäften oft ganze Nächte studirte und derZerstreuungen Berlins wenig achtete, begann mit der Bekanntschaftmit Lessing und Mendelssohn. Sein trefflicher Roman „SebaldusNothanker" geißelte mit echtem Witz und Glück die aufgeblasenen geist-lichen Zeloten, ihre Heuchelei und Verfolgungssucht, und nebenbei dieSchwärmer und Empfindler, die Uebersetzer und Bücherfabrikanten,und nichts nahmen die dummen Orthodoxen und Stillingsbrüder übler,als daß er auch den Deisten Hoffnung zum Himmel machte. Es liegtdiesem mit Recht berühmten Roman die damals viel Aufsehen machende