Band 
[Neunter Band. - Zehnter Band.]
Seite
147
JPEG-Download
 

147

vantes und Onevedo, Sterne, Fielding und Smollet, Lcsage oder Vol-taire rc. gestellt zu werden. Ja die neueste Zeit scheint sich sogar nichteinmal an eigentliche Romane zu wagen; man schreibt bloß komischeErzählungen für die zahllosen Almanache oder Taschenbücher, Büch-lein, welche die Autoren so gut verderben als die Kupferstecher, Ver-legern aber trefflich rentiren. Man schreibt lieber Skizzen, wie AntonWalls (Heine) Bagatellen, Kotzebue's kleine Erzählungen, Langbeinsund Launs Schwanke und Erzählungen; verschlungen werden dieSchillinge, deren gegen hundert sein werden, die van der Velde infünfundzwanzig Bänden, Claureus Scherz und Ernst in sechzig Bün-den; Zschokke's rc., Madame Pichlers sechzig Bände, Walter Scott istin hundertfünfundsiebenzig deutschen Schüsseln aufgetischt, Tieck inzwanzig, die Auswahl aus Fanny Tarnows Schriften macht doch zwölfBände; Contessa rc., manches Gute, tausendmal besser als die Halb-romane der Meißner, die wir oben nannten, und die Marc Aurele,Aristide und Themistokles der Fehler, die ekelhaften Zwitter der Ge-schichte. Langbein und Laun könnten viel sein:

V!eturu3 §erüuiri äebst Kaders Über. *

Weiter hin im Norden können wir schon nichts erwarten. Ichkenne zwei holländische Damenromane; Dame Wolf schrieb SaraBurgerhart, und Dame Deken, Willem Levend, die Müller verdeutschte,die aber noch weniger vis eomioa haben, als Herr Müllers eigeneWerke; Loosjes Moritz Lynclagen aber interessirt als gutes Gemäldeholländischer Sitten, und den Holländer doppelt; denn es versetzt ihnin die bessere Vorzeit, die nicht mehr ist. Von Dänen kenne ich, außerHolbergs Climm, keinen Roman; sie haben nur komische Erzählungenund Sagen der Vorzeit, wie die Schweden auch; doch rühmt manKerelles Llaxxas svklsstinos oder Geographie des großen Schelmen-landes. Von Rußlands, Polens und Ungarns komischen Romanenweiß ich gar nichts; im ganzen Norden und Osten behilft man sichmit deutschen, französischen und englischen Waaren, und da können sieja schwimmen im Ueberfluß.

Ich komme auf meinen Satz zurück. Wir gute Deutsche sind fürWitz und Laune, für satirische, echtkomische Werke noch zu neu, zuschildbürgerlich, zu pedantisch und weinerlich, zu furchtsam und be-scheiden phlegmatisch, auch zu unbehülflich; wir sind zu wenig frei,und darunter verstehe ich geistesfrei, und zu provinziell; es thut mirleid, ich bitte um Verzeihung, aber es ist wahr, und das ist mir nocht Willst du, daß lebe dein Buch, lasse es sprudeln von Geist.