Umgang und der Geist für Kleinigkeiten ist das Leben der Fran-zosen. Daher sind sie so geschickt zum Umgänge mit den Großen dieserWelt und mit Weibern, daher fühlen sie sich so unglücklich, wenn siemit sich selbst leben sollen, und daher ist ein Tag Prison dem Fran-zosen so schmerzhaft, als dem Deutschen fünfundzwanzig auf den Hiu-tery. Ihre Kunst des Gefallens durch Witz, Miene, Sprache, Klei-der rc. macht sie zu natürlichen kstit-nmitres und älsgans, den ernsternund solider« Deutschen oder Britten, der sie nachahmt, aber zum ge-zwungenen Zierbengcl, der doppelt lächerlich ist. Alles ist bei ihnenMode, selbst die Vernunft. „An dem Fortgangs der Revolution darfman nicht zweifeln, denn sie ist bereits Mode geworden," spottete einerihrer eigenen Schriftsteller, und dieser Spott enthält treffende Wahrheit.
Diese Geselligkeit macht, daß die Franzosen noch im höchsten Alterlachen, wo Andere längst grämeln, und fortlachen und fortbuhlen biszum letzten Hauche. Dagegen schreckt sie wieder der Popanz, lächerlichzu werden, weit mehr, als alle anderen Nationen. Franzosen lachenim höchsten Unglück, und Frohsinn und Zerstreuung erleichtern dasUnglück, und helfen ihnen desto leichter wieder heraus. Bernis, derjunge, lockere Bernis, den der alte Fleury versichert, daß er bei seinenLebzeiten nichts zu hoffen habe, erwiderte mit einer lächelnden Ver-beugung: ä'attsnärai, Llonseignour! ' und ihre Ausgewanderten beiuns wußten auch da noch Rath, wo ein Britte sich erschossen hätte,und ein Deutscher in Schwermuth versunken wäre. Franzosen könnenAlles entbehren — Weiber ausgenommen.
Die vaiotö der Franzosen, wofür wir kein rechtes Wort haben,weil wir die Sache selbst nicht kennen, muß man nicht in Paris, son-dern jenseits der Loire und Gironde suchen, wenn man sie ganz kennenund beneiden lernen will. Elsäßer und Lothringer sind noch heuteDeutsche; die Bewohner der Normandie und Bretagne noch heute Alt-britten, deren Ehrlichkeit, Gutmüthigkeit und Gastfreiheit im Sprüch-Worte lebt: an kraao llrotou; 2 dann kommen die nördlichen Fran-zosen , aber erst jenseits der Loire und Gironde sind die eigentlichenFranzosen, von denen die geistvolle Graffignp sagt: „daß sie der Naturentschlüpft seien, als sie zu ihrer Menschencomposition bloß erst Luftund Feuer genommen hatte," und der Franzose x«? ist derProvencalc. Hier wallt lauter Weingeist und Quecksilber in denAdern, und die Großmutter tanzt mit dem Enkel, die Enkelin miti Ich werde warten, gnädigster Herr. — 2 Ein ehrlicher Bretagner.
'D-mvkriwS. IX. 12