Band 
[Neunter Band. - Zehnter Band.]
Seite
181
JPEG-Download
 

181

ist es noch heute. Roch heute bezeichnet der Franzmann seine«nxörioritö ' über alle Geschlechter der Erde mit einem spöttischen:Löte, und der Nachbar John Bull, ohnehin aufgebracht über dessenewiges Plaudern, geselligen Humor und nationelle Unsauberkeit, hattebis 1813 allein noch den Muth, ihm ein kräftiges Damnos in denBart zu werfen. Noch heute sind dem Franzmann ein Dtrangor ^ undein Barbar beinahe gleich bedeutend, wie einst den Griechen, oder dieGojim dem Volke Gottes, und wie bei dem Wiener, Alles, was dieDonau herunterschwimmt und am Schanze! landet, Schwabe heißt.Alle Franzosen halten sich noch heute bescheidcntlich für die Griechender Neuern, und noch vor Kurzem auch für die Römer Europa's.

Nur in Paris kann man sich bilden. — Pariserlob ist Athenerlob,nach dem ja selbst Alexander geizte und dem Voltaire sein Lebenopferte. Die Kultur der Deutschen, ihre Sprache und Literatur ver-spätete sich durch den dreißigjährigen Krieg und andere Kriege. Aberauch die Athener an der Seine haben daran so viel Schuld, als dieGriechen an der Vernachlässigung der römischen Kultur, und jetzt, wowir sie überflügelt haben, glauben sie aus Unbekanntschaft mit unsererSprache noch immer an ihre alten Vorzüge. Daher mag es gekom-men sein, daß Conds, als er Speier verlassen mußte, äußerte: „diedeutsche Canaille weiß gar nicht mit xrinoes äu sang ^ umzugehen,sondern nur mit ihren kleinen Fürsten," und eben daher, daß vieleEmigranten nach jenem Muster ihren deutschen Wohlthätern mit schnö-dem Undank lohnten. Seitdem sind Franzosen lange genug und inhinreichender Menge in Deutschland gewesen, aber ich getraue mirnicht zu behaupten, ob die dumme Frage des Herrn Bouhours: „Kannein Deutscher Witz und Verstand haben ?" trotz den gutmüthigen Bemü-hungen Villiers, bei ihnen zu unserer Ehre entschieden sei. Es hat auch aufder Welt nichts zu bedeuten, wenn nur wir Deutsche richtigere Ansichtenvon den Franzosen, Frankreich und Paris bekommen. Unseren Elegants,die selten große Helden sind, muß ich doch sagen, daß die hochberühmteStadt, in der ich mir selbst stets wohlgefiel, sie aber immer recht gernewieder verließ, ganz über Abgründen schwebt, nicht bloß moralisch,sie ruht aus lauter Katakomben, entstanden durch die Steinbrüche undSteine, die man da hervorgeschleppt hat, um Paris zu bauen. Dieseschauerlichen Abgründe, nach welchen wohl wenige Reisende fragen,sind zwar gestützt durch Steinmassen, die man als Tragsäulen gelassen

> Ueberlegeriheit. - - Fremder. - - Prinzen von Geblüt.