183
mir eine Nation zu schaffen hätte, so würde ich mir die französischeschaffen," und von der Voltaire sagte: „Die Narren stecken voll Ehre!"Diese Worte sind die Schlüssel zu allen ihren Großthaten, sowie zuAllem, was sie gelitten und getragen haben. Ein französischer Oberst,den ein Gardist vom Laternenpfahl rettete und für ihn ein Wort ein-legte, was damals mehr galt, als das Wort eines Königs, fragte ge-rührt nach seinem Namen; der Gardist erwiderte: Aon Oolonel, tousmss esmsraäss so nommovt eommo moi. * — Mit dieser nämlichenaltritterlichen Galanterie gab Chnmpionet dem gefangenen Mack seinen1793 von England erhaltenen Degen zurück: „Die Gesetze der Repu-blik verbieten mir englische Waaren."
Die Franzosen sind unser Erbfeind, mehr als je die Türken, undeinen Erbfeind, dem gegen 30 Millionen Menschen voll Muth, Geist,Ehr- und Nationalgefühl und quecksilberner Lebendigkeit zu Gebotestehen, darf man nie aus den Augen lassen, da wo so wenig Gemein-geist und Nationalsinn herrscht. Es ist gut, wenn dieser wahre Satzfester, deutscher Nationalgrundsatz wird. Es ist gut und einmal Zeit,-wenn wir ansangen wollen, unsere Sprache, unsere Sitten, unsereModen an die Stelle der französischen zu setzen; aber soll darum derDeutsche dem einzelnem Franzosen den Hals brechen, wo er ihn trifft?soll seine Sprache ihm ein Gräuel sein, soll Alles, was die NationGutes und Verdienstliches hat, mit dem Bade von Leipzig ausgeleertwerden? Ich wiederhole, was Friedrich seinen gefangenen Franzosennach der Schlacht von Roßbach sagte: „Ich kann mich nicht daran ge-wöhnen, die Franzosen als Feinde anzusehen."
Mich dünkt, die Revolution habe die Franzosen männlicher ge-macht, und das Riöil ns so kalt gus gar los keminos 2 sei etwasseltener geworden, als ich Frankreich 1806 wieder sah. Auf wielange? ist freilich eine andere Frage. Neben vielem Bösen haben wirdoch dieser Nation auch viel Gutes zu verdanken, und wo wäre dieNation, wo sich der Fremdling so liebend, schonend und so frei be-handelt fände, als bei der freundlichen, heitern, gutmüthigen undgegen Fremde so zuvorkommenden Nation der Franzosen? Und sowar sie selbst zu der Zeit, wo sich alle Franzosen für große Männerund Helden hielten, wenn sie gleich der geniale Bülow nie anders alsAmazonen nannte. Wir waren 20 Jahre von ihnen gedrückt und ge-quält; aber die Hand aufs Herz, wenn wir ihre Sprache reden und
i Mein Oberst, alle meine Kameraden heißen wie ich. — 2 Alles geschieht durchWeiber.