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Natur einnehmend, schmeichlerisch, kriechend sogar; seine Nation istnicht gefürchtet, er ist bald Frömmler, bald Freigeist, Gegenstand desSpottes und weiß mit Geist den Dummkopf zu spielen, daher ist erim Ausland nicht unwillkommen, und reiche Britten lieben Italiener,wie deutsche Große Franzosen liebten vor der Revolution.
Die italienische Nation, unter den Römern so kriegerisch, zurZeit der Freistaaten oder im Mittelalter eifersüchtiger als irgend eineNation auf ihre Freiheit, im sechzehnten Jahrhundert die glänzendstein Wissenschaft und Kunst, ist tief gesunken, weil sie politisch gesunkenist. Ueber der Kunst und ihrer schönen Natur vergaßen sie, daß sieeine Nation sind, und so auch alles höhere Streben; sie überließensich einer orientalischen Trägheit, obgleich wenige Nationen sie anAusdauer und Thätigkeit und geistigen Vorzügen übertreffen, wennLeidenschaften solche anregen. So wurden aus Römern die heutigenRömlinge. Sie scheinen die Achtung vor sich selbst verloren zu haben,und nun geht es, wie bei Leuten, die sich nicht selbst angehören undsich herabgewürdigt haben; sie lassen Alles gehen, wie es geht, ihrLeben ist ein Schlummer voll angenehmer Träume unter einem gött-lich schönen Himmel; und so lassen sie Alles beim Alten, wie die un-bequeme Art, den Tag mit Untergang der Sonne anzufangen undvieruudzwanzig Stunden zu zählen, was Niemand nachgeahmt hat alsdie Nürnberger.
Die Heftigkeit und Eifersucht des Italieners, sein Adel- undRömerstolz, seine Glanzsucht in Gebäuden, Bedienten und Equipagen,verbunden mit Dürftigkeit und Knauserei; seine Weichlichkeit, Un-wissenheit und sein Aberglaube bieten dem Komiker reichen Stoff, denauch Goldoni beuützt hat. Sie bauen Paläste mit vernagelten Fenstern,conversiren in Sälen und wohnen in schmutzigen Mauslöchern. Vielender schönsten Fa?aden in ihren Städten fehlt nichts als das Wohn-haus; sie bauen Kirchen und leben und weben in Kunst, haben Kunst-sammlungen und kein Dutzend erträgliche Stühle. Tische, glänzendeGesellschaft und kein rauchender Schornstein; hundert tausend ZecchinenVermögen und nichts als Bajocchi im Beutel, vom ältesten erlauchte-sten Geblüts, gekleidet in einen verblaßten oder abgeschabten Seiden-oder Tuchrock. Sie lassen sich im Corso mehrere Stunden herum-schleppen mit ihrer Donna, und schon manche Familie ist ausgestorben,weil man im Heirathsantrag keine Equipage stipulireu wollte oderkonnte. Zu Hause knickern sie dann wieder in Essen, Trinken undKleidung. Mehrere halten eine gemeinschaftliche Maitreffe und eine