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[Neunter Band. - Zehnter Band.]
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den Seinigen. Frngalität haben beide gemein, aber wie schwer wird eshalten, bis sich Sachsen und Preußen politisch amalgamiren? Die Hessenmachen den Uebergang voin Süddeutschen znm Norddeutschen, von jeherausgezeichnet durch Tapferkeit und kriegerischen Sinn. Kassel mitseinen Umgebungen ist wohl die schönste Stadt des nördlichen Deutsch-lands, aber stille, arm und traurig. Sie gleicht einer schönen Frau,die Alles anwendet, Fremde zu bczaubern, und darüber die Kasse desMannes arm macht. Wenn man in Kassel herzlich lachen hört, kaunman beinahe immer wetten, es ist ein Fremder.

Der Schwabe wie der Franke und Rheinländer ist lebhaft, munter,gesprächig und genial, besitzt aber mehr Treuherzigkeit, Arglosigkeit undgrößere Sitteneinfalt, vorzüglich das Geschlecht, bei dem sie an Nai-vetät grenzt. Diese Gutherzigkeit, die sich selbst preisgibt, wennAndere hinter dem Berge halten, und daher leicht hintergangcu wird,oder Andern Vortheile überläßt, die sie sich selbst hätte sichern kön-nen, erzeugte das Sprüchwort: „Der Schwabe wird erst im vierzigstenJahre klug," das im Grunde bei ihren unläugbareu, herrlichen Eigen-schaften des Kopfes und des Herzens gerade rühmlich ist. Schwabenund Franken sind die deutschen Sanguiniker, das glücklichste Tempe-rament unter allen. Rheinländer tanzen lustig wie die Rheinschnacken.Der Baier ist freimüthig, gerade, aber trocken, derb und bisher rohund unwissend, zu Händeln geneigt, zum Trnnk und Aberglauben, unddem Alten fest ergeben, denn kein Land war so mit Pfaffen heimge-sucht als das gute Baierland. Den Baier kennt man leicht unterallen Deutschen an seinem untersetzten, nervigten Körper, an seinemBierwanst und am runden, kleinen Schädel. Ein altes Sprüchwortsagt: Oesterreichisch und baierisch Blut in einem Topfe macht einsdas andere herausspringcn."

In dem schönen Oesterreich findet sich noch die Herzlichkeit bessererZeiten im Bunde mit der liebenswürdigen Regsamkeit des Südens(wenn's Halter nicht Geschäfte gibt), die dem nördlichen Deutschlanddurchaus versagt scheint; die Nation hat joviale Eigenheiten, die ichallen meinen Landsleuten wünsche, womit freilich auch joviale Schwächenund eine ins Weite gehende Gemächlichkeit zusammenhängen. JenerGascogner, den sein bei der Armee frisch angekommener Landsmannum eine gewisse Anstalt befragte, sagte keine Gasconnade: „in Augsburgist der Eingang und zu Passan ist die Hinterthüre." Die vielen ar-tigen Kellnerinnen an den Nfern der Donau bezeugen den bestenWillen, den Reisenden nicht bloß bei Tische zu bedienen, und gleich