242
Aber freilich ist auch wieder in der Schweiz Vieles, was anderssein dürste. Da politssos ck'un 8uisss aiviliss sn Hollands ' ist s„bekannt, als das Räthsel Grammonts: Welches Thier ist dem Men-schen am ähnlichsten? — Der Schweizer. Und nun erst die Reinlich-keit und der Wohlstand der Schweizer verglichen mit dem unreinlichenfaulen Italiener! In einem Klima, wo man viermal essen, folglichaucb viermal verdauen muß, geht das Denken schwer. Das Einzige,was ich mir in der Schweiz aneignen möchte, wäre ein echter Schweizer-magen für die herrliche Milch, Butter und Käse in den Alpen, unddie Braten von Gemsen und Murmelthierchen, die zwischen hineinzu iaben sind. Wenn die Franzosen mit dem Wort Ulsmuiiä eineneinfältigen Tropf, einen Grobian, einen Säufer und Tabaksstinkerbezeichnen, und naserümpfend sagen: Vous ms pronsr xom- un Llls-manä? 2 so denken sie dabei eigentlich an die Schweizer, die sie jedochin so Vielem beschämen und noch 1815 abermals beschämten, als sieallein unter der verdorbenen Soldateska und der eitlen Nation ihremEid- getreu mit der weißen Kokarde lieber in ihre Gebirge zurück-kehren, als dem geächteten Berderber Europa's huldigten.
Wir Deutsche denken besser von unsern Brüdern auf den Alpen,und sie könnten, wenn sie sich dem deutschen Nachbar, von dem sie sogerne als von einem Fürstensklaven sprechen, mehr anschließen wollten,gar Manches lernen in wissenschaftlicher wie in politischer Beziehung.Der Reisende würde vielleicht minder staunen, wenn er, der viel vonSchweizerehrlichkeit gehört hat, von Wirthen, Kaufleuten, Kutschern,Schiffern, Bedienten rc. mehr geprellt wird, als anderwärts; die ge-rühmte Aufrichtigkeit und Freimüthigkeit, die gerne in den kleinendemokratischen Kantonen herrscht, aber gar leicht in Grobheit undBauernstolz übergeht, würde dann vielleicht in den Städten herrschen,wo Mißtrauen und Verschlossenheit weit mehr zu sehen sind, als inunsern Residenzen, und der Fremdling würde nicht mehr als einträg-liches Import betrachtet und die Postbefördernng unterbrochen werden;sonst wäre man aber auch recht bequem in zwei Tagen am andernEnde der Schweiz.
Schon mit der burgundischen Beute und mit dem schändlichenSolddienste in Frankreich (1480), unwürdig einer freien Nation, gingenalte Sitten und alte Einfalt verloren, und das sogenannte Dicnst-und Rcislaufen war schlimmer als die Unterdrückung der Habsburger.
i Die Höflichkeit eines in Holland civilisirten Schweizers. — ? Ihr haltet mich füreinen Deutschen?