Band 
[Neunter Band. - Zehnter Band.]
Seite
28
JPEG-Download
 

28

den Thieren auch; ihre Universalarzuei ist allenfalls eine tüchtigePortion Szliwowitz, vermischt mit Pfeffer und Ingwer.

Ungarn (das in der Kanzleisprache etymologi'ch Ungern heißt) istein sehr reiches und gesegnetes Land, und der Reichthum der Naturneben dem Mangel an Industrie machen es auch zum wohlfeilstenLande von Europa. Man ißt da also sehr viel und sehr gut, undnichts geht über die Melonen und den Tokaycrausbruch. Ungarn istreich an Wild, Vögeln und Fischen aller Art, wie an Gold; selbst derHausen, der aus dem schwarzen Meere bis nach Preßburg hcrauf-schwimmt, nicht um zu laichen, sondern um sich seine Kopfwürmer zuerleichtern oder vom Gegenstimme kitzeln zu lassen, könnte statt desStockfisches dienen, wofür so viel Geld außer Landes geht- Die Me-lonen, die nur wenige Kreuzer kosten, in der Hitze erquicken, aber auchim Uebermaße Ruhr erzeugen, haben vielleicht mehr deutsche Soldatengctödtet, als der Säbel der Türken. Diese Melonen sind gewißschöner und besser als die Treibhausmelonen Friedrichs, die er Voltairesandte, um ihn von der Güte des preußischen Klima's zu überzeugen.Niemand verarge es daher dem Ungarn, wenn er sagt: Uxtra Un-Aariain non est vita, si eot vita, non eat ita, * denn das letztere istwenigstens doch immer wahr.

In Ungarn ist der fünfundzwanzigste Mensch immer ein Edel-mann und der drcihnndertste ein Bettler. Edelmann und Bauer, dasanderwärts Zehr- und Nährstand bedeutet, heißt hier aber eigentlichbloß einheimisch und fremd. Der eigentliche Adel Ungarns sind dieMagnaten, die großen Gutsbesitzer, welche hohe Landesstellen bekleiden,und so wie Bauer nichts Verächtliches in Ungarn bedeutet, so bedeutetauch Edelmann nichts Vorzügliches. Die guten ungarischen Schild-kröten heißen die Edclkröten.

Ungarn oder Pannonia war lange ein Tummelplatz der Völker,deren Namen verloschen sind, bis die heutigen Ungarn aus Asien kamen:Ungarn heißt Ankömmlinge; sie selbst nennen sich Madjaren (Magyaren)und werden noch so in Asien genannt. Sie waren die Geißel Deutsch-lands, bis das Christenthum und ihr heiliger Stephan sie ordneteund seßhaft machte. Dieser Stephan sollte statt der Maria ihr Na-tionalheiligcr sein, neben Ludwig dem Großen, Matthias Corvinusund dem Hause Oesterreich. Ohne Oesterreich wäre Ungarn eine türkischeHospodarschaft, und hätten die Minister dem großen Eugen folgenwollen, Neapel und Sicilien den Spaniern preisgegeben, dafür aberi Außerhalb Ungarn ist kein Leben, und wenn, so ist es nicht so.