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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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fachen nur errathen werden mögen; weiter stehen die Säulen desHerkules, Nacht, Dampf und Nebel der Scholastik. Der echte Philo-soph spricht nicht eher von Gott, Welt und Vorsehung, als bis erdie Natur studirt hat, nicht eher von der Seele, als bis er sich selbst,den Menschen im Hause und in der Welt kennen gelernt hat, und amwenigsten von Politik und Gesetzgebung, wenn er nicht die Geschichte,die Gesellschaft und die Geschäfte selbst kennt.

Zwei Dinge erfüllen das Gemüth mit Bewunderung und Ehr-furcht, je mehr wir uns damit beschäftigen: der Stcrnenhimmel überuns, und das Moralgesetz in uns. Der Anblick des Firmaments ver-nichtet die getränmtc Wichtigkeit des Meuschleins, ein Pünktchen aufdem Pünktchen Erde im Weltall, das eine Spanne Zeit lebt, unddann sich wieder vermischt mit Element, aus dem es genommen ist.Das Gefühl des Moralprincips erhebt das Thier zur Intelligenz,setzt es in ein neues, von der Sinnenwelt unabhängiges Leben, indas Unendliche, unsere Grenze, wodurch aber gerade die Weltbetrach-tung zur Sterndeuterei und die Moral zum Aberglauben und zurSchwärmerei herabsank. Nur cchtphilosophische Chemie, die das Em-pirische vom Rationalen scheidet, kann vor jenen Abwegen bewahren,die Wissenschaft, durch deren enge Pforte wir zur Weisheit gelangen.Nur solche Philosophen verdienen Achtung und Aufmerksamkeit, nurin diesem Sinne ist Philosophie Llväivina auimas * im Geiste derAlten, und der alte Spartaner braucht sie nicht wie die Sophisten,die sich über die Natur der Tugend herumstritten, zu fragen: „Wannwerdet ihr anfangen, sie zu üben?" *

Sokrates brachte die Philosophie vom Himmel herab, die Neuernwollten sie wieder hinaufbringen; Sokrates bekannte, daß er so eigent-lich nichts wisse, und sie, sie wollten Alles wissen, und spotteten derPhilosophie des Lebens, und doch ist von unserer ganzen Weisheit nurdas das Beste, was für den Menschen taugt. Zoroaster befragte dieGötter über Anfang und Ende der Welt, über das Gute und Böse,und erhielt die Antwort: „Thue Gutes und verdiene die Unsterblich-keit." Die Geschichte der Philosophie gleicht dem Drama, wo Ver-nunft und Sprache Plautus Menächmen und die Irrungen Shakspeare'sspielen, nur mit dem Unterschiede, daß hier das Drama Katastrophe

* Spötter schrieben in der Zeit, wo man das Ph aus unserer Sprache zu verbannensuchte, Filosophie, ja Biehlosesophie, die Philosophen aber lieber Weltweisheit, ob esgleich immer schicklicher sein möchte, das einmal übliche Wort Philosophie beizubehaltenso lange, bis die Welt durch sie weiser geworden sein wird.

i Arznei für die Seele.