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Mich wundert, daß er nicht auf den Einfall kam, d;e Weltgeschichtenach Maitressenepochen zu ordnen. Die Staatswissenschaft ist fürGeschichte, was Experimentalphysik für die Natnrwissenschaft, undhier macht Schlözer Epoche, den aber noch selbst ein Gatterer mitdem Kartätschenfener der Mikrologie begrüßte, wie ein Mensel Schil-lern, weil ihm dieser von einer verwandten Kunst zu viel zu borgenschien. In meinen Augen steht Schlözer selbst höher als Müller,und hatten ihm seine einträglichen Journale und seine Eigenschafteines, bitteren Kritikers nicht geschadet, er könnte dastehen als ersterHistoriker.
Viele Geschichtschreiber glaubten nur von Königen reden zu müssen;die Nationen waren ihnen gleichgültig, höchstens Fußgestelle, aufdenen der Eine sitzt und glänzt; und der nützlichsten Bürger und aus-gezeichnetsten Männer, wenn sie nicht von Adel waren, gedachten sieso wenig, als die Naturgeschichte der abgefallenen Blätter der Bäume.Wir zählen Myriaden historischer Bücher, aber wo sind die Tacitusund Livius, die Robertson, Hume und Gibbon, die Müller, Spittler,Heeren, Schlözer? Fox hat Recht zu sagen: „Hume liebte die Kvuigeso sehr, als Gibbon die Priester haßte; daher muß man mißtrauischgegen sie sein, wo es ihre Könige und Priester gilt." Und nun erstunser Heer deutscher Reichsgeschichtler, die den Mönchen des Mittel-alters gleichen, deren enge Seelen nur dumme Frömmlinge zu lobenwußten. Römische und griechische Helden glänzen noch heute, dennsie hatten gute Geschichtschreiber gefunden, nicht so deutsche Helden.So hat Muratori 41 Folianten und 30 Quartanten wenigstens ge-sammelt; der Geschichtsforscher dankt ihm, aber hat er se dabeigedacht?
Und wo gehen die Lehren der Geschichte über ins Leben? Wirwissen, wie es der makedonische Philipp angriff, die Griechen zuunterjochen; aber wie viele Philippe und Völker haben seitdem nichtdie nämliche Rolle spielen können, und die getrennten Völker mit sichspielen lassen? Wir kannten längst das Grabmal des Leonidas, dieHermannsschlacht, die Theilung der Welt unter Alexanders Generale;aber wir kannten weder Vaterland noch Vaterlandsliebe. Niemandspeicherte mehr Materialien auf, als Deutsche mit eisernem Fleiß,aber ohne allen philosophischen und Politischen Geist, ja nicht einmalmit Geschmack und in gefälliger Sprache. Unsere Pedanten hattenkeine Idee, daß nicht Worte, sondern die Thaten der Geschichte dasGemüth ansprechen müssen, wie die Trophäen des Miltiades das