Band 
[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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Gedächtnißkram der alten Eruditorum ^ und Stoppler, die alle Kleinig-keiten lieben und viele Citate; für den Geist der Geschichte aber habensie so wenig Sinn, als für Witz, Laune und schöne Sprache, welche dieWahrheit eindringender und gefälliger machen, und leider scheint esnoch solche Pedanten zu geben auf unsern Alterthumsuniversitäten.

Die Geschichte erklärt und enthüllt die Vergangenheit, um dieGegenwart zu leiten und in die Zukunft blicken zu lassen an der Handder Erfahrung; sie soll nicht Namen, Zahlen und Anekdötchen lehren,sondern Moral und Thaten, die das Gemüth zu ähnlichen anfeuern.Sie ist ein grauer, gewaltiger Geist, der die Todten heraufbannt zuden Lebenden, um sie zu warnen. Für den Staat ist sie, was Arz-neikunde für den Körper, wenn die Staatsweisheit nicht grob empirischsein soll, wie sie in manchen Kabinetten gewesen ist und noch sein mag.Sie ist und bleibt die Schule der Sittlichkeit, Gerechtigkeit und Frei-heit, welcher Nemesis ihr Amt anvertraut hat. Mit Hülfe des Grif-fels der Geschichte entrückt der Mensch ein paar Jahrhunderte seinerThorheiten, Freuden und Leiden dem Strome der Ewigkeit, und sreutsich der getrennten Unsterblichkeit, uneingcdcnk, daß jede Geschichte nachJahrtausenden zur bloßen Sage und Fabel herabsinkt. Sie ist diewahre Schattenwelt; wer den goldenen Zweig hat, steigt mit Acneashinab und sieht da die Zukunft, und lernt sogar weissagen in allenEhren. Können Ephemeren mehr verlangen? Orosins gab schonseiner Geschichte den rechten Namen: vo missria bominum! 2 ich willsie „Ephemeriden der Ephemeren" nennen, aber mit dem schönen Motto:Nuntia, vstnotatis, maxistra vitas! ^

1 Stubengelehrte. — 2 Ueber das Elend der Menschen. — 3 Vergängliche Schriftenvergänglicher Menschen. — Verkündigerin der Vorzeit, Lehrerin des Lebens.