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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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Zaum auf den Sattel legte und abgesattelt wurde. Wenn Dichternerlaubt ist, die Flügel der Morgenröthe zu nehmen, so muß ihnenauch erlaubt sein, sich über diese Erdenwelt hinanszuschwingen; Vögclschwingen sich leicht empor, weil sie Leere im Kopf und in den Flü-gclknochen haben; aber wir können den Flug des Adlers selbst nurbewundern, so lange er sich nicht in den Wolken verliert — also dieBitte:

Junger Adler, schwebe herab,

Da droben von der Wolke.

Wir sehen dich da unten nicht mehr, und duSiehst uns da oben nicht mehr!

Von der Sonne, mein Lieber,

Bist du da droben so weit als wir,

Ich bitte, bitte, schwebe herab!

Der Ruf eines Dichters macht oft mehr Ungelegenheiten als Ehre;gute Freunde quälen ihn nm Gelegenheitsgedichte; an kleinen Ortenwill man einem sogar Forsche zumuthen, und sie müssen sogar ge-druckt werden; die Ehre ist ja auf beiden Seiten, und am Ende wan-dern sie doch an den Ort, den wir auch Gelegenheit zu nennen Pfle-gen, wenn das Papier, wie jedoch gewöhnlich, weich genug ist. DieFreunde bedenken nicht, wie schwer es ist, einen Alltagsstoff, an demman oft nicht einmal Antheil nimmt, in die Region der Poesie zu er-heben; was soll man bei Hochzeitgedichten sagen, wenn man nichtselbst Bräutigam ist? Was bei Trancroden, wenn der Selige uns sowenig angeht als die Welt? In langen Winterabenden unterhält mansich sogar in Dorfgesellschaften mit Verschcn, wie jener Förster mitGevatter Müller:

F. Wo bleibt die brüderliche Liebe?

Die ganze Welt ist voller — Müller!

M. Ihr seid ein braver Mann, das sag' ich unvcrholen,

Habt unserm gnäd'gen Herrn schon manchen Baum gc—zogen!

Endlich hieß es: „laßt's gut sein! es kommt beim Fcrschmachendoch nichts heraus, Gevatter!" sagte der Förster, und jener meinte:„Oder zu viel!"

Run, nichts ist verschiedener als der Geschmack, und so ist be-greiflich , wie viele Gedichte so unbegreifliches Glück machen konnten,selbst die drei Bände altdeutscher Gedichte des Knaben Wnnderhornnoch im neunzehnten Jahrhundert. So viele Blumensträuße uns anchdie Dichter schon gewunden haben, so fehlt doch in der Regel die