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werk goldenen Boden hat. Wenn das Genie nach Brod schmachtet,darf man fast immer annehmen, daß es eigene Schuld ist, und manvergißt dabei, daß Menschen recht wohl ohne Kunst leben können, aberder Mensch nicht ohne Brod. Freiheit! Freiheit! das Mottoaller Genies, machte sie zu den größten Sklaven ihrer selbst, wieunsern trefflichen Prestel. Der gute Rousseau hatte oft nicht so viel,um sich seine Küche zu bereiten, und ein Voltaire konnte sich Koch undKöchin halten.
Alle Künstler und Genies lieben den periodischen Müßiggang, unddaher sind so selten zu gebrauchen, wo es Ernst, Ordnung und schick-lichen Augenblick gilt; ihr Geniestolz, daß sie in einer Stunde mehrleisten können, als Andere in Tagen, und ihre Launen machen siegleichgültig gegen den hohen Werth des Fleißes, und die gute Mei-nung Anderer. Natnrsinn verräth in der Regel einen guten morali-schen Menschen, aber bei bloßem Kunstsinn kann man ein sehr unmo-ralischer, engherziger, leerer, ekelhafter Kerl sein. Schon der Sachsen-spiegel sagt: „Spielleute sind rechtlos," und die Glosse sagt: „dasmacht, sie sind liederlich und machen liederlich," und die Sitten scheinensich seitdem eben nicht gebessert zu haben. Nur wenige bringen eszum parischen oder carrarischen Marmor, die meisten halten sich bloßam bröckelnden Sandstein, und diese schreien am meisten: „die Kunstgeht nach Brod;" der blinde Flötenspieler Dulon aber tröstete sich:
Geht's auch zuweilen Capriccios»,klancauäo und gar lucstvso,
Nur inuthig volta subito ! ^
Kunst gehört der Sinnlichkeit an, und so auch fast in der Regelder Künstler; die Mehrzahl sind mehr mechanische Handwerker, unddennoch alle kleine Pygmalions, die sich in das Werk ihrer Händeverlieben. Tonkünstler scheinen am sinnlichsten zu sein, zum Beweise,wie tief Tonkunst wirke; sie sind leicht, wie ihre Notenblätter, aberdann auch wieder die artigsten; ihre Kunst ist gesellig, die der Malerund Bildner einsamer. Reisen, Höfe und große Städte, wo diesenHerren übertrieben gehuldigt wird, und das leicht und angenehm ver-diente reiche Brod vollendet den Firlefanz. Wehe dem Staate, dessensich Kunst und Künstler vorzugsweise bemächtigen; man denke anFrankreich und Italien, an das alte Sachsen, Baiern und Württemberg.
l Wunderlich, mangelnd, traurig, schnell umgekehrt; Musilkciuier und Dilettant«»werden die Ausdrücke leicht verstehen.