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Oft wenn ich lang genug gebrauchet Ahl und Feder,
Und manch' unschuldig Werk gcnccket wie das Leder,
Wenn ich, mit Dint' und Pech besudelt, Vers erdacht,
Und manchen Schuh zu kurz und Fuß zu lang gemacht —oder:
Selbst seine Amme faßt in der Geburt ihn um,
Weissagt und segnet ihn: Sei dumm!
Wir haben sehr tragische „komische Epopöen": Riedels Trappen-schütze, der angehende Student, der Candidat oder die erste Predigt(von Campe), Löwens Walpurgisnacht, Lamperts Tänzerin, Hommelsl'Hombrespiel, Kranscnecks Saloppe, Rathlefs Schuhe, GottschedsProzeß rc. sind unleidlich und mit Recht vergessen, und als Deutscherfreut es mich, daß sie dem Auslande gänzlich unbekannt gebliebensind; sie fallen alle in die Trauerjahre der deutschen Aesthetik 1760bis 80. Uzens Sieg des Liebesgottes mag nun genannt werden, aberwo bleibt die vis oomioa? Und wie Thümmels Wilhelmine und dieInokulation der Liebe solch Kindergeschrei erregen und in fast allefremde Sprachen übertragen werden mochte, ist wahrlich räthselhaft.Keine Seele hätte damals (1764 bis 1766) wohl errathen, daß der-selbe Mann durch die Reisen ins südliche Frankreich einst nebenSterne stehen würde.
Wir können die komische Epopöe gewissenshalber nicht früherbeginnen, als mit Wieland, mit seinem Jdris und Amadis, aber dasMeisterstück bleibt Oberon; Oberon ist unser erstes komisches Epos,obgleich mehr ernsthaft als komisch, das doch mundet, wenn man auchvon Ariosto herkommt, trotz der italienischen Sprache, und ich ziehees ihm noch vor, was vielleicht Jugendeindruck ist, da ich Ariostospäter erst kennen lernte. Hüon mit seinem Horn, das Alles tanzenmacht, und mit seinem Becher, der stets voll ist, wenn ein Bieder-mann ihn an seine Lippen bringt, aber plötzlich leer und glühendwird, wenn ein Schurke daraus trinken will, darf sich kühn nebenOrlando stellen. Was fühlt nicht der achtzehnjährige Jüngling beiHüons Ruf: „Sie ist's! Sie ist's!" und bei Reziens: „Er ist's! Erist's!" nachdem sie sich längst gesehen hatten in Träumen? Er denktnicht mehr an des Sultans graue Haare und Backenzähne; er mußvielleicht als Mann schwer büßen, aber er kämpst wie Hüon mit demSchicksal, und wohl ihm, wenn ein Fürst am Ende zu ihm sagenkann:
Nie fehl' es unsrem Reiche
An einem Mann, der dir an Tugend gleiche.