17
die Witzfunken (IV. 1.) verweisen muß, wie auf das lateinischeSchreiben eines ungarischen Husaren aus Italien, das ebendaselbst zufinden ist.
Ein türkischer Botschafter glaubte Papst Leo X. zu ehren, wenner ihn Großtürke der Christenheit nannte, ohne zu ahnen, wie viel erdamit sage, so wenig als jener Schulmeister, der da drohte, die Sachevor die allerhöchsten Ohren Sr. Majestät zu bringen. Die Banern-deputation, die der Königin Elisabeth zur Vernichtung der unüber-windlichen Flotte Glück wünschte, sprach: „Große Königin, diesmalhat der Spanier die Sau beim unrechten Ohr erwischt," und so er-wischt noch heute der gemeine Mann die Worte gnädig oder unter-thänig beim unrechten Ohr, und bittet, daß man ihm dies oder jenesunterthänig bewillige, oder schlägt wie der Pachter Seiner Gnadenvor, den Garten mit einigen Wagen gnädigen Mistes düngen zulassen. Mit den Wörtern interessant und interessirt geht esihm oft noch wunderlicher, und es ist keine Bosheit dahinter, wenn ersagt: unser Herr Pfarrer hat heute eine recht interessirte Hochzeit-oder Leichenpredigt gehalten.
In Franken und der Pfalz wird schlimm und geschickt gerneverwechselt; ein schlimmer Doctor ist ein sehr geschickter Doctor, undso gilt auch niederträchtig für herablassend und artig; „es ist ein sehrniederträchtiger Herr!" sagt das Landmädchen von einem, der sich vielmit ihr abgegeben hat. Umgekehrt gilt wieder großmüthig fürstolz und grob, eine liederliche Frau ist in diesen Gegenden nur einekranke Frau, unerzogene Kinder ungezogene, und die gröbstenFreunde die Vertrauten, wo dann freilich manchmal Wahrheiten zumVorscheine kommen, die etwas ins Gröbliche fallen. Auf dem Schwarz-walde heißt schleunig nur allmählig; sie scheinen das erstere Wortvon schleichen abzuleiten, und so kann es denn kommen, daß ein Ex-presser, wenn er lesen kann, sich eS bei dem Worte schleunigst aufdem Briefe gerade recht bequem macht. So hatte ein junger Manndas Ihnen und Sie so wenig studirt, als Sachsen und Preußen dasMich und Mir, und sagte dem Vater seiner Geliebten: „o könnt ichIhnen doch meinen Vater nennen!" Der Vater wollte nun nichtsvon einem Tochtermann wissen, der nicht einmal seinen Vater zunennen wußte. So wie es im deutschen Norden mehr Beene alsBeine gibt, so steht es auch mit Eens statt Eins. „Schreiben Sie,"sagte zu Berlin ein Süddeutscher beim Spiel dem Kellner, „einuud-Temokritot'. XII. 2