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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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Charaden und Wortspielen fand, wie vor der Revolution in Frank-reich an Calembonrgs.

Hätten die Alten so viel Witz besessen, als unsere neuere Zeitwirklich gezeigt hat, schwerlich hätten sie sich mit den Spielmarkendesselben befaßt, denn einem gebildeten Geschmack können nur Wort-spiele gefallen, die einen bedeutenden, echt witzigen Nebensinn haben,d. h. mit Wortwitz auch Sachwitz paaren. So war der ernste, kalte,eigensinnige und einsam lebende Pitt im kleinen Kreise seiner Freundeeiner der besten Punsters oder Wortspielschützen. Wahre Witzköpfeliefern in der Regel Bonmots, d. h. geistreiche Ideen; bloße Witz-spiele sind aber in der Regel der Witz derer, die keinen haben. Vol-taires Wortspiel, der einer über Hühneraugen (6ors) klagenden Damesagte: „Ist es ein Wunder, die Schuhmacher heißen ja vorckonnisrs >"(wörtlich Hühneraugengeber), ist gewiß witzig, und noch witziger dasdeutsche Wortspiel bei einer Frage: „Wer ist der Mann mit derschönen Frau?" „Ein Zahnarzt, er zieht 10 (Zähne) und sie SO aus."Wortspiele bewirken manchmal durch Lachen, was Ernst nicht zu Standebrächte. Die Gäste eines Landpfarrers, die ihm zu viele Fische inseinem Garten wegfingen, gingen lachend ins Haus, als er ihnen zu-rief mit Jesus: alles st ne pSoliss plus! ' und die Kostgänger einesRectors, die nichts von der Rindzunge essen wollten, welche die Magdauf den Boden hatte fallen lassen, aßen mit Appetit auf des RectorsRede: est laxsus linxuas. 2 Gar viele gute Wortspiele hängen vomAugenblick und den Umständen ab, und sind diese vorüber, so ist derWerth auch vorüber. „Das ist ein sehr einnehmender Mann!" rühmteeine Frau von einem abreisenden Unbekannten. „Das will ich glau-ben, es ist auch der Steuereinnehmer von N."

Aristoteles handelt sehr ernsthaft vom Wortspiel, theilt solches inKlassen, und empfiehlt es sogar dem Redner. Von ihm wissen wir,daß Heraklides von Drakos (äravo, Drache) blutigen Gesetzen sprach:„sie sind nicht von einem Menschen, sondern von einem Drachen," unddie Freunde Platos sagten, als ihn Dionysios verkaufte, und sie ihnloskauften: „Despoten und Philosophen müssen so wenig als möglich,und so höflich als möglich mit einander Umgang pflegen" (im Griechi-schen nur vier Worte und natürlich schöner). Athenäus erzählt vonder berühmten Phryne, daß sie einen filzigen Liebhaber, der sie dieVenus des Praxiteles (Tributforderer) nannte, Amor des Phidias(Knicker) betitelte. Die Athener bewunderten den Witz ihres De-t Gehet und sündiget (fischet) nicht mehr. — 2 Es ist ein Zungenfall (Sprachfehler).