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Kapitalien gebracht oder die geerbten nicht verputzt haben, und derletztere Artikel kümmert uns am wenigsten.
Von unerfahrener Jugend sagten unsere Alten, und zwar ins Ge-sicht : „Kalbfleisch, Halbfleisch;" das sage man einmal einem BruderStudio oder Gymnasiasten! Kaum wagt man von „Jugend hat keineTugend" zu sprechen. Sie sagten ferner die großen Wahrheiten: „Einheimgezogenes Kind ist wie ein Rindvon Weibern: „lange Klei-der, kurzer Sinn;" aber was sie wohl gesagt hätten, wenn sie unserenackte Mode hätten sehen sollen? „Kein Weib nimmt einen Altenum Gotteswillen," man weiß es jetzt so einzurichten, daß Alte sichnach keinem Weibe mehr umzusehen brauchen. — Von Edelleutensagten sie: „als Adam grub und Eva spann, wer war da wohl einEdelmann?" thaten aber in tiefster Unterthänigkeit weit mehr den Hutab, als gegenwärtig. Aesthetisch kann man die Redensarten nichtnennen: „die Laus ist ihm über die Leber gelaufen; besser eine Lausim Kraut, denn gar kein Fleisch," und „er macht aus einem Furzeinen Donnerschlag." Von vergeblicher Arbeit sagten sie: „er lehrtdie Krebse vor sich gehen, schreibt ins Wasser, fährt ins Meer, hütetWeiber und Flöhe, und sucht Bratwürste im Hundestall." — UnsereAlten waren grob, unartig, plump, aber ehrlich, offen, gutmeinend,wahr; ich reiche euch lieber die Hand, als den lächelnden, geschliffenenAllgesälligen mit ihrer Leere des Herzens. Indessen müßt auch ihrschon allerlei Erfahrungen gemacht haben, und so finde ich vorzüglich,was ihr ferner so derb sagtet: „wer traut einem Wolf auf der Heid,einem Bauern auf den Eid, einem Pfaffen (wobei man sich jetzt ganzandere Leute denken muß) auf sein Gewissen, ist ganz gewiß beschissen."Wie grob! Aber der Reim wollte es so.
Welche Lebensweisheit liegt nicht in den Sprüchwörtern: die Katzeläßt das Mausen nicht, der Speck läßt nicht von der Schwarte, undkeine Atzel heckt eine Taube? Was drei wissen, wissen hundert; wenndie Sackpfeife nicht voll ist, so kirrt sie nicht; es gibt so viel Kälber- ,selle, als Ochsenhäute auf dem Markte, und reicher Leute Kinder undarmer Leute Rinder werden bald reif; es ist kein Dörflein so klein,es ist des Jahrs einmal Kirchweih drinnen; wem's Glück will, demkalbt ein Ochs; keinem fliegen gebratene Tauben ins Maul, und St.Niklas bescheert wohl die Kuh, aber liefert sie keinem am Strick; werlang hat, läßt lang hängen; man hält Manchen für fett, der nur ge-schwollen ist; wenn die Sonne vom Himmel fiele, säßen wir Alle imFinstern; auf einem Dorfe ist gut predigen; es stolpert ja auch ein