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den Milchkorb herfallen, sich satt saufen und dann wieder in das Lochkriechen, woraus sie gekrochen waren, so muß wohl der finsterste Murr-kopf sich entwölken, und wer vielleicht bei der bloßen Erzählung nochfinsterer blickt, lacht so gewiß, als die Natur lacht. Am allervollkom-mensten sind die Marionetten Roms, das ja so lange die ganze Weltfür Marionetten genommen und mit ihr gespielt hat. Altrom wußtedie Welt durch Waffengewalt zu unterjochen, Neurom verstand diefeinere Kunst, die ganze Christenheit an unsichtbare Fäden, die vomHimmel sich herabließen, zu knüpfen, und nach Belieben zu ziehen; dieFäden sind endlich alt und morsch geworden, die Marionetten unbe-weglicher; aber in der Geschichte bleibt das stets das größte Kunst-stück, das freilich neben der Verwunderung, daß es so lange dauernkonnte, auch die Wirkung des Tragos macht, je nach dem man ge-stimmt ist. Ich „ahm es im obenerwähnten Werke auch von der komi-schen Seite, und Neurom ist mir das größte und komischste Mario-nettentheater.
Unter unsern deutschen Puppenspielern hat sich manches uraltedeutsche Nationaldrama erhalten, das von der eigentlichen Bühne beiweiterer Kultur verschwinden mußte, wie z. B. Faust, Genovefa, Octa-vian. Der Charakter des Satans wird da oft richtiger entwickelt unddargestellt, als in allen Katechismen und Compendien, Quartantenund Folianten der alten Dogmatik und selbst im Messias Klopstocks.Unter dem großen Haufen und bei der Jugend ohnehin erregen solchePuppen oft eine Täuschung, wie bei Don Quixote, als die Mohrendie Melisandra verfolgten, und wenn die Täuschung auch nicht so weitgeht, daß man den Degen oder Prügel nimmt, um die Mohren zu-sammenzubauen, so darf man dafür auch dem Puppenspieler keinevierzig Realen zahlen. Ich selbst habe fast sechzigjährige Erinnerun-gen an die Täuschungen solcher Puppen.
Am Rastatter Congreß klagte der Direktor des französischen Thea-ters über Abnahme des Zuspruchs, weil Alles nach dem Marionetten-theater eines gewissen Geißelbrecht lief, und doch war das Witzigste,was ich von ihm hörte, daß er im Doktor Faust, wo er als Hans-wurst auftrat, erzählte, ivas er alles mit seinem Herrn in der Höllegesehen habe. „So sah ich auch einen Saal, wo viele Leute überglühende Bänke immer hin- und Hersteigen mußten, und das warendie Leute, die zu Rastatt immer vom Sechskrenzerplatz auf den Zwölf-kreuzerplatz herübergestiegen sind/' Man denke sich das Gelächter, daszugleich dem Unfug einigermaßen abhalf.