IV,
Dokior Faust wurde weiloelannl vom Teufel geholt, aber dochnur ein Mal; aber es wird schwerlich Marionetten geben, wo er nichtjährlich von jedem Direktor der Bude ein Dutzendmal geholt wird,so viel Reiz liegt in dieser sonderbaren Dichtung. Aber können wiruns hierüber wundern? Haben sich nicht die berühmtesten Männer,Lessing, Goethe, Klinger, Maler Müller rc., mit Faust und dem Teufelabgegeben, und halten es nicht alle Dichter damit, fast wie mit Jlium ?Schildern sie eine brennende Stadt, muß da nicht Jlion jedesmal vonNeuem auflodern in Feuer und Flammen? Lessing hat nicht Wort ge-halten , als er sagte: „Meinen Faust holt der Teufel, ich aber willGoethe's Faust holen." Goethe's Faust wird vielleicht länger gelesenwerden, als sein Wilhelm Meister und die Wahlverwandtschaften,vielleicht selbst länger als der allzu empfindsame Werther rc.
Der Mainzer Goldarbeiter Fust oder Faust, der um Guttenbergserhabene Erfindung Verdienste hat, und mit der lateinischen Bibel14S5 begann, wird gewöhnlich mit dem Schwarzkünstler Faust ausKnittlingen in Schwaben verwechselt, der später lebte, und den Mön-chen Schuld gegeben, daß sie wegen Verlust ihrer Bücherabschreibereidurch Erfindung der Presse den ganzen Teufelsspuk ausgemalt hätten,worin ihnen Unrecht geschieht; aber die Legende gehört einmal zu dengenußreichsten, beliebtesten und nützlichsten, und man kann Studirendenicht aufmerksam genug auf die Moral der Fabel machen, zumal wennsie sich unter die Genies zählen, die wie Spatzen und Schwalben andie Fenster, so an die Grenzen der Wirklichkeit stoßen und darüberhinausflattern wollen, und mit Murren und Mißmuth enden. DerZauber der Wissenschaft und der Durst nach Wahrheit entzündet ihrGehirn und liefert sie dem Teufel in die Krallen, den Zweifeln, worausSkepticismus, aber nicht Stoicismus hervorgeht, was nur bei Weni-gen erst in spätern Jahren der Fall ist, und es ihnen geht, wie Goethe'sMephistopheles sagt:
Und hätt' er sich auch nicht dem Teufel übergeben,
Er müßte doch zu Grunde gehen.
Mein Marionetteuspieler Geißelbrecht endete seinen Faust, wie inder Regel der arme Schwarzkünstler endet; Mephistopheles als Hans-wurst kapitnlirt mit dem Gott sei bei uns, der ihn aber seinem Herrnnachschicken will. „Wer bist du denn?" fragte der Teufel. „Ich, ichbin ein Rastätter" (vermuthlich ist er überall von der Stadt, wo ergerade auftritt). Der Teufel flieht und der Hanswurst macht seinem