Band 
[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
Seite
157
JPEG-Download
 

15 '

verehrlichen Publikum das Kompliment: „Meine Herren, Sie sehen,der Teufel hat Respekt vor den Rastättern." Ein ungeheures Kom-pliment, wenn man wußte, wie die französische Gesandtschaft mit denzu Rastatt versammelten Deutschen umgesprungen ist; aber die BürgerRastatts befanden sich desto bester und müssen mit dem Teufel innäherer Bekanntschaft gestanden haben, denn sie machten Teufelspreise.

Lichtenberg that den Vorschlag, die Fabeln Aesops durch Thier-marionetten vorstellen zu lassen, der meines Wissens nie realisirt wurde,aber alle Aufmerksamkeit verdiente; die Marionettenspielcr haben gegen-wärtig so viel Mühe, sich durchzubnngen, als die Kameel-, Bären-und Affcnführer; ein Thiermarionettentheater würde schon als etwasNeues seinen Mann nähren, und der Gegenstand sicher selbst Gebil-dete vielleicht herbeiführen, die das gewöhnliche Marionettentheater ver-schmähen. Nachdem die Thiere unter einander sich ihre Wahrheitenim Geiste Lafonltaine's gesagt hätten, möchte Hanswurst immer alsEpilogns auftreten und seinen Brudern die Moral einpeitschen: Horcht,folgt, lernt von den Thieren, ihr lebendigen stolzen Marionetten derVorsehung!

XV.

Das Groteske

beschäftigt sich lediglich mit dem Lächerlichen in den Gestalten,in der Verzerrung, Ungelenkigkeit und Uebertreibung dieser Gestalten,und ist wahrscheinlich der allerälteste Zweig des Komischen. Wir sagenauch groteskkomisch, wenn wir nicht gerne von grobkomischsprechen. Der groteske Bacchus oder Satyr im Gefolge des Wein-gottes belustigte rohe griechische Bauern, so wie die Gesichtcrschneide-reien der otaheitischen Possenreißer die brittischen Matrosen. Dasgemeine Volk erfreuen die Verzerrungen und das Gesichterschneidendes Hanswurstes mehr, als die studirteste Mimik des talentvollstenSchauspielers, ebenso die Gauklermimik des Affenpapageis oder gra-vitätischen Kranichs, dem zu Zeiten die Laune ankommt, komischeSprünge zu machen, zu tanzen, Steine und Zweige in die Luft zu