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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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Wir finden daher selbst in unsern heiligen Büchern gar argeZoten, welche die Frömmigkeit nicht wörtlich, sondern mystisch aus-legte; wo wir vom Schlafen, von Kindern sprechen, spricht Moses gareuPhemisch von Aufdecken der Scham und vom Samen. Wo wirsagen: „Sie war unfruchtbar," heißt es: vominns oonolusit vulvainsjias,' und der geplagte Hiob, statt auszurufen: „Warum mußte ichgeboren werden?" ruft: gnsrs sckuxisti ins cks vulva?? Wie wares doch möglich, daß einst die Stelle im Hohenliede: „Und mein Freundsteckte feine Hand durchs Loch, und mein Leib zitterte," vom Verlangender christlichen Kirche nach ihrem Bräutigam Christus ausgelegt wer-den konnte? Wahrlich, Theokrits Idyllen ließen sich noch weit er-baulicher auslegen. Diese Erscheinung gründet sich gerade auf dieSitteneinfalt dieser früheren Zeiten, und wir finden die auffallendsteHarmonie zwischen den Büchern des alten Testaments und den unsseitdem näher bekamnt gewordenen, gleich interessanten Büchern derHindus. Die alten: Gesetzbücher dieser Urnation sprechen so unver-blümt, wie in unsern Zeiten die Gerichtshöfe Englands, nur daß dieHindu die Ehescheidmngsakten nicht drucken lassen, die auf das Gierigstegekauft und gelesen werden. Selbst in Deutschland geht es in manchenGerichtsprotokollen so erbaulich zu, wie im alten Testamente, jedochdienen sie höchstens zur pflichtmäßigen Gemüthsergötzlichkeit der hoch-gerichtlichen Consistorien und der dabei angestellten jungen Herren;manchmal ist indessen die heilige Sprache doch züchtig, wie wir obensahen bei dem höflichen Wort „Füßen."

Jesuit Harduin (gestorben 1729) behauptete, die Schriften derAlten seien, mit wenig Ausnahmen, bloß Werke der Mönche, wassicher oben ansteht unter den lächerlichen Behauptungen berühmtergelehrter Männer, die man damals sogar große Männer hieß. InHorazens Imlags fand der Narr die Braut Jesu Christi, in der Aeneiseine Allegorie auf die Reise des heiligen Petrus nach Rom, im BrandeTroja's die Zerstörung von Jerusalem und den Sieg des Christen-thums über das Jndenthum. Harduin entgegncte einem Freunde, derin diesen tollen Hypothesen doch eine zu ungeheuer lächerliche Para-doxie fand: „Glaubst denn du, daß ich darum mein ganzes Leben laugschon um vier llhr aufgestanden sei, um nie etwas Weiteres zu sagen,als was Andere schon vor mir gesagt haben?"

Dieser pedantische Jesuit würde ganz sicherlich mit den Theologen,die so viel Komisches von der „Hcrzenskammer der Braut" und von

> Wott verschloß ihre Scham. — 2 Warum zogst du mich aus der Scham i