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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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SOS

dienz des Komischen zu halten, olne wenigstens-französischen Kein-heitsgeist nachzuahmen. Zur Geschichte deutscher Zoten gehört derberüchtigte Wettstreit zwischen drei unserer berühmtesten Dichter: Bür-ger , Stollbcrg und Boß, in den drei bekannten priapäischen Oden,wo Stollberg die Dichterkrone errang, und sich weit über die Lucindehinaus schweinigelt; Bürger und Voß waren nicht in der Lage, üppigzu genießen, wie ein deutscher Herr Graf:

Der Pedantismus bat die PhantasieUm einen Kuß, sie schickte ihn zur Sünde.

Frech, ohne Kraft, umarmt er die,

Und sie genas von einem todten Kinde —

Genannt Lucinde!

Der Cynismus ox grokesso wird sich nie vertheidigen lassen, aberbei Männern von festem Charakter, die schon Alles wissen, scheint esmir doch jungfräuliche Blödigkeit, ja selbst Abgeschmacktheit, da, wodie Natur lacht, lächerlichen Ernst zu affektiren. Die Grundsätze derAlten sind Natur; den kräftigen Alten waren erotische Malereien allerArt, so wie dem Mittelalter weiter nichts als Malereien; aber denSchwächlingen und Lüstlingen unserer Zeit, die gerade an erotischerPhantasie um so reicher sind, je ärmer au Kraft, sind sie Gift. Unserherrlicher Thümmel scheint mir zu irren, wenn er in seiner fürstlichenBrantkapelle die Llaterin poooans zur dlatoria msüloa ' bcnützeu will,und der Hähern Welt lavaterische Aussichten in die Ewigkeit und denHimmel eröffnet, die kaum mehr mit einem Flügel schlägt. Und wiekaun es anders sein? Mein guter Alter war erotischer noch gestimmtim siebzigsten Jahre, als ich im dreißigsten, und ohne diese Stimmunghätte er vielleicht neunzig Jahre erreicht.

In der Jugend wirken obscöne Schriften ganz anders, als inden männlichen Jahren, ganz anders beim Manne, als beim Greise,und ganz anders bei Unverheiratheten, als bei Verehelichten. Im zwan-zigsten Jahr ist uns Ovid mehr als Horaz und Tacitus, diese aberim vierzigsten bis sechzigsten mehr als Ovid, den wir nach Umständenvielleicht gar nicht mehr lesen mögen, wie ich meine lüvres lidrss,die wohl schon zwanzig Jahre in meiner Chatoulle ungesehen ruhen.Im fünfzigsten Jahre wallt höchstens noch das Blut beim Anblickihrer obscönen Kupfer, wie beim Anblick weiblicher Reize und ihrerBetastung, bleibt aber in seinen Grenzen; im achtzehnten Jahre aber

i Stoff zum Sündigen. — Stoff zum Heilen.