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Zweideutigkeiten haben zwar meist die zotige Erbsünde zum Ge-genstände, doch aber auch oft Witz^und Scherz. Eine der ältestenZweideutigkeiten, hinter die sich die Orakel oder Pricstertrug versteck-ten, ist der Spruch der Pythia: „Wenn Krösus über den Halis geht,wird ein großer Staat untergehen." Lydiens König passirtc solchen;aber nicht das Reich des Cyrus ging unter, sondern sein eigenes.Die jesuitischen Missionäre verbargen ihre Diamanten in hohle Schuh-absätze, und schrieben ihrem General: „Wir treten die ReichthümerIndiens mit Fußen." Das alte: sl omnes eonssntinnt, SA« nonckissontio, ' ist eine Zweideutigkeit, die bloß auf Interpunktion, d. h.auf Einsetzung oder Weglassnng eines Komma nach oon beruht undnichts Zotiges hat, so wenig als Carls V- Worte: „Was mein Bru-der Franz will, will ich auch" (Mailand), eine schöne diplomatischeZweideutigkeit, wie in unserer Zeit I'intägritä äs I'Lmxirs! ^ Fried-richs Depot und Napoleons Protektorat.
Unser Stadtschreiber kann weder lesen noch schreiben, und istein guter Mann, „der Jeden bei seiner Frau schlafen läßt," beruhtauf Wortspiel. Die Schnsterswittwe im ikockestris» Odservant ruftunter Thränen und Schluchzen: I üavo lost all, und ein Frem-der rief: „vamn tüs arvl, ^ hier sind sechs Kreuzer zu einem Halb-dutzend!" und hintennach zeigt sich, daß die Frau von ihrem todtenSchuster, und von keinem Pfriemen spricht. Scherz ist die Antwort,die man heutzutage freilich weniger mehr hört: „Aber Sie gehen jain gar keine Gesellschaft?" — „O ja, jede Woche einmal." — „Aberich sehe Sie nie?" — „Weil Sie nie in die Kirche gehen."
Diplomatiker thun sich oft nicht wenig zu gut auf ihre Kunstder Zweideutigkeit, diplomatische Gewandtheit genannt, da man nichtmehr von Politik sprechen wag, wie im Mittelalter. Indessen istJedem noch in frischem Andenken, wie die Diplomatie mit den WortenIntegrität, Souveränität, Neutralität, Depot, Occupation, Organi-sation, Mediatisirung rc. gespielt hat. Die Russen waren 1799 be-reits in Brünn und öffentlich fctirt worden, als die französische Ge-sandtschaft zu Rastatt anfragte: „ob Rüsten in Deutschland eingerücktseien, und warum?" Der österreichische Minister, so fein als dieFranzosen, sich verlassend anf ihre Unkuude der deutschen Verfassung,antwortete: „Nein, die Russen wären nur in den Erblanden." So
i Stimmen Alle überein, so stimme ich nicht dagegen; und: Stimmen Alle überein,so thue ich es nicht. Ich stimme dagegen. — 2 D>e Ungetheiliheit des Neiches. — 2 Ichhabe mein All verloren! — Schweigen Sie mit Ihrer Ahle.