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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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Fragen lassen sich erst beantworten, wenn wir gestorben sind. Ja,wenn wir sie auch srichcr beantworten könnten, wäre noch die Frage,ob es auch von uns abhinge, unsern Entschlüssen zn folgen, da wirim letzten Augenblick bloß leidend dem ewigen Naturgesetze folgenmüssen: Mensch, du mußt sterben! Statt zn grübeln über unauflös-liche Räthsel, wollen wir uns lieber an die Regeln halten, wie wirdem Tode ruhig entgegen leben können. Der Tod selbst bleibt eineHieroglyphe, und daher sind diejenigen Todcsbetrachtungen die ver-nünftigsten, in welchen viel vom Leben vorkommt. Der Tod ist dastiefste Geheimniß der Natur, Tod im Leben und Leben im Tod. DasSamenkorn verschwindet, dem Auge verdeckt im Schooße der Erde,und gerade, wenn das Leben ganz sein Ende zu erreichen scheint, keimtneues Leben. Proscrpina, die Tochter der Ceres, lebte mit Pluto imOrkus, durfte aber einen Theil des Jahrs wieder auf die Oberwelt,um die liebende Mutter alljährlich zu erfreuen. Es gibt Leute, diedas nicht einmal wünschen; keiner aber, der auf der Erde wandelt,von der er genommen ist, will gern unter die Erde. Sie wissennicht, was Oken lehrt: „Der Tod ist ein Begatten, das Faulen Samen-bildung, Sterben die letzte wollüstige Handlung des Thiers."

Es ist der alte Bund: Mensch, du mußt sterben! und Wiege undSarg stehen so nahe beisammen, daß sie für Viele von einem unddemselben Baume gefertigt werden. Geboren werden ist vielleicht demKinde so schmerzhaft als dem Alten das eigentliche Sterben. Vieleaber, die noch achtzig Jahre erreichen, sind dann größere Kinder, alsim achten Jahre — tos oxri-Sines so touoüout * — fürchten sich vordem Tode, sehen ihn an, wie die Junger ihren Herrn und Meister,da er in der Nacht auf dem Meere wandelte, für ein Gespenst, oderfürchten sich gerade wie die K i n d e r vor den L a r v en, und wer- ^

den, wenn sie auch das Leben für ein Uebel gehalten haben, mit dop-pelter Ruthe gegeißelt. Die Todesfurcht ist die größte und lächer-lichste, aber die letzte der menschlichen Thorheiten, und zugleich das letzteKapitel meiner literarischen- Todesfurcht ist die erste unter den Tod-sünden, oder meinetwegen auch die achte. Es ist meine letzte unddreihuudcrtsechsundsechzigste Betrachtung, die man, als einen unange-nehmen Gegenstand, wo die Ochsen und die Haare am Berge stehen,allenfalls nur jedes Schaltjahr lesen mag.

Der Naturmensch, der wie das Thier zufrieden ist, wenn er nurNahrung, Decke, Weibchen und Ruhe hat, kennt kein anderes Uebel,i Die Extreme berühren sich.