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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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als physischen Schmerz, denkt nie an den Tod und stirbt ruhig, wieder Weise. Aber die Mehrzahl ist unglücklicher als Pyrrhos Schwein,als die Gänse, die wir fett nudeln, als alle Thiere, und selbst alsjene Söhne der Natur, die sogeuanuten Wilden; denn der Mensch,stolz auf Vernunft und Kultur, für welche wir offenbar viel zu vielStolgebühren zahlen, fürchtet sich vor dem Tode. Der Weise läßtauf das Kyrie eleison hienieden das Gloria folgen, wie die Kirche;aber die Meisten gleichen dem Bauern, dem der Pfarrer seinen Aus-gang aus diesem Jammerthals mit dem Kernspruche: „Es ist Ver-alte Bund, Mensch, du mußt sterben!" zu erleichtern sucht, und derdoppelt böse wird, weil er bei seinem schweren Gehör versteht: „Dubist ein alter Hund und mußt sterben!" — Der Tod ist der SündeSold, sagen unsere heiligen Bücher, und dieser Sold ist so kärglich,daß Keiner davon leben kann. An Niemand schreibt man richtiger:„Stets der Ihrige," als an den Tod.

Die Alten, die mehreren Uebeln Altäre errichteten, um damitverschont zu bleiben, wie dem Unglück, dem Fieber rc., haben demTod keinen Altar errichtet, weil sie ihn für natürlich ansahen, fürunvermeidlich und unerbittlich, für die Bedingung des Lebens. Ihrobiit, er ist vorübergegangen, drückt diese Idee aus; das rogniosvitder Mönche sagt, daß der Kerl nicht fort wollte, bis der Tod dasRauhe herauswendete. Recht sinnig unterschieden sie zwischen --m? undmors und lotlinm. Mit den ersteren Worten bezeichneten sieeinen gewaltsamen, harten, frühen Tod, mit den letzteren den natür-lichen Tod und Schlafesbrnder, der uns zur Ruhe und in ein besseresLeben führt. Sie pflanzten auch Oelbäume auf Gräber — der Oel-zweig ist das Sinnbild des Friedens. Sie fühlten im Gedanken desTodes sogar einen gewissen Reiz, und mit Recht, denn der Gedankedes Todes vermag in der That die Begeisterung einer lebhaften Freudebei Festen wie bei der Liebe zu erhöhen, und lehrt Schmerz undUnglück tragen durch die Betrachtung der Kürze des Lebens. Diegrößten Handlungen der Geschichte sind hervorgegangen aus der Ver-achtung des Todes. Im Kontrast zwischen Leben und Tod liegtetwas Reizendes, Süßmelancholisches, das wir beim Jmmerlcben garnicht genießen könnten. Zwischen den ersten und letzten Windeln istnur eine Spanne. Und welcher gemüthliche Mensch kann in einerheitern Sommernacht unter den Sternenhimmel treten, die Tausend-maltausende von Welten über sich funkeln sehen, ohne zu glühen von