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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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Die Todesfurcht, der Horror iUiüili, ' hat doch etwas sehr Guteshervorgebracht, den höchstnützlichen Glauben an Unsterblichkeit, derschon Tausende von Schurken im Zaum gehalten und Millionen Un-glücklichen Trost gegeben hat. Der berühmte Schluß von Einfachheitder Denkkraft belebte diesen Glauben, mit dem es aber bei dem furcht-baren skeptischen Gegenargument: „Gilt denn von gedacht und ge-glaubt werden ein vernünftiger Schluß auf das Sein eines vorn Kör-per so abhängigen Wesens?" ebenso gegenüber der ewigen Wahrheit:„Tugend belohnt sich selbst, sowie sich das Laster selbst bestraft," ziem-lich übel stände, wenn das Christenthum die Lehre der Unsterblichkeitnicht genauer mit der-Sittlichkeit verbunden hätte. Das Christenthummachte für Millionen den Tod zum Engel des Himmels, der demSohne des Kummers die Pforten seines Kerkers öffnet. Alle, wieAddison, gründen die Unsterblichkeit auf das Bestreben der Seele,das zu beweisen, was sie nicht kann. Nur der Christ kann rufen:„Tod, wo ist dein Stachel? Grab (Hölle), wo ist dein Sieg?" undihm ist das nicht Leben, was man Leben nennt, sondern das, wasman Tod nennt. Herrnhuter sterben gar nicht, sondern gehen nurheim, wie der Holländer hemmelet (himmelt), während es der Weisenicht weiter bringt, als bis zum Troste der Ungewißheit.

Aber sind denn die Sätze: „Aus Nichts wird nie Etwas, undaus Etwas nie Nichts," nicht zwei völlig gleiche Begriffe und paral-lellaufende Wahrheiten? ist denn Fortdauer ein größeres Wunder,als Dasein? Umsonst suchten die Epikuräer die Vorstellung des Todesunter blumenbekränzten Bechern und Saitenspielen zu verbannen; dieNatur läßt sich nicht, wie Alexanders Bucephal, so stellen, daß sienicht ihren Schatten gewahr werde; kühner und stolzer spornten dieStoiker die Natur, aber ebenso vergebens. Die Meisten denken:„besser hab' ich, als hätt' ich," behalten, was sie einmal haben, undgefallen sich recht wohl in den Banden der Sinnlichkeit hienieden;nur vor dem Lichte des Glaubens schwinden die Schatten des Todes.Diejenigen, die den Tod fürchten, dürfen die Religionssystemebeneiden, die offenbar dieser Todesfurcht entgegenarbeiten. JenerJude beschönigte daher auch seine Todesfurcht damit: „Für euch istChristus gestorben, wir armen Juden aber müssen unsere Haut selbstzu Markte tragen."

Für den großen Hansen gibt es keine schönere Lehre, als dasParadies Odins und Mahomeds und die Lehre von der Auferstehungt Das Grausen vor dem Nichtmehrsein.