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Hauptbeweis, daß die Todesfurcht eine geistige Schwäche ist, die vonKorperschwäche abhängt. Vernünftigere Ansichten haben die geistlichenund ewigen Tode der Sacro Sanctoruin so ziemlich verbannt; hatnicht selbst die wohlthätige Mutter Natur die Schreckensgcstalt mög-lichst verhüllt, welche Mönchcrci noch schrecklicher machte? Aber wersollte es glauben, dah die hochgelehrte lliwexüaloerariioseopio > —schon der Name klingt fürchterlich gelehrt — eine neue Todesfurchtschaffen würde? Der gute Denis traf alle mögliche Gcgeuanstallen,damit sein Schädel nicht in Doktor Galls Schädclsammluug komme,welche bereits die Wiener Schädel Wurmsers, Alxingers und Blum-auers zieren. Dafür haben aber auch wieder französische Chemikerunseres alten Mineralogen Bechers Kuuststückchen. Leichname in Glaszu verwandeln, hervorgesucht, und so werden wir nun bald unserewerthen Verblichenen als Büsten oder Vasen in unsern Zimmern auf-stellen und einstweilen in irdischer Klarheit schauen können, bis wirvom Glauben zum Schauen gelangen werden.
Lasset uns in jeder Lage getrost sein, weder auf Freunde, Ta-lente, Tugenden, noch Natur rechnen; lasset uns lachen, hoffen undschlasen, bis wir nimmer erwachen. Aeudert sich's nicht heute, soändert sich's morgen, übermorgen, vielleicht in einem Monat oderJahr, das freilich dreihundertfünfundsechzig Morgen hat; und solltenwir achtzig Jahre leben, ohne zu lernen, wie man in einer Viertel-stunde stirbt? Wir sollten eigentlich froh sein, dem Leben zu ent-wischen, das uns mit so vielen Unfällen droht, daß wir nie wissenkönnen, ob wir nicht wie Crösus auf den Scheiterhaufen gesetzt schreienmüssen: „O Solon, Solon! wer ist vor dem Tode glücklich?" Frohund dankbar sollten wir, wie Scapin, nie nach Hause kommen, ohneder Vorsehung zu danken für all das Unglück, das uns nicht befallen,aber doch hätte befallen können. Ich kehre wenigstens nie nach Hause,ohne den Göttern zu danken, daß meine Wohnung noch dasteht, undmeine Bücher, Kupferstiche und Schriften nicht in Feuer vergangensind; ich habe nie Zahnweh, ohne an die gemeine, aber mir tröstlicheRedensart zu denken: „Dem thun die Zähne auch nicht mehr wehe;"und wenn man erst schuldlos bittere Erfahrungen macht und selbstvon den nächsten Anverwandten sich hintergangen sieht, dann singtman mit Claudius:
O sängen doch an meiner Thür
Sie laut: Ich hab' mein Sach rc.i Geliirn-Schädel-Schau.