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Der Tod erscheint nur der sinnlichen Vorstellung furchtbar, aberwas ist er, wenn ihn die Abstraktion betrachtet? Nichts als natürlicheAuflösung des zusammengesetzten Stoffes, der sich zu dem großenHansen unbelebter Stoffe wieder sammelt, von dem er genommen war,um dereinst in neue belebte Körper überzugehen. „Er ist nicht mehr,er ist hinüber, er ist heimgegangen, er hat überwunden," sind sehrtröstliche Ausdrücke, und „der Tag des Todes ist besser, denn der Tagder Geburt; der Tod ist Freiheit, Auflösung, Uebergang, nicht Unter-gang," lautet noch tröstlicher. Wir sind hienieden wie die Dancüden,die nichts als ihre Gefäße füllen und wieder ausleeren, nur mit demUnterschiede, daß wir Ablösung zu hoffen haben. Der Optimist hateinen Grund weiter, der Tod ist ihm ein Theil der bessern Welt, eineFolge der Ordnung, die die beste ist, und in einer Welt, wo der Todnicht wäre, könnte kein ehrlicher Mann leben. Der Mensch bekommthienieden Alles satt, warum nicht auch das Leben? Und welche trost-reiche Ideen geben nicht eine Leiche oder der Gottesacker dem Unglück-lichen, dem Verfolgten, dem Unterdrückten? Er öder seine Feinde,wie geschwinde liegen sie nicht da? Der Tod ist kein furchtbaresKnochengerippe, sondern ein freundlicher Genius, der uns die lebens-müden Augen zudrückt zum ewigen Schlafe. Sollten wir die Todes-furcht nicht überwinden können, da die Leidenschaft der Liebe, derRache, der Ehre und des Nachruhms, Furcht vor Schande, selbst Lebens-überdruß rc. sie überwinden?
Ich meine daher, wenn man dies so recht erwägt, müsse man mitvoller Stimme leicht das „Valet will ich dir geben, du arge böseWelt" anstimmen können, und sogar mit einer gewissen Neugierdenach dem Lande abreisen, von dem wir trotz allen Neisebeschreibungennoch keine authentische haben, wo wir zu unsern Vätern versammeltwerden, die so Manche hienieden vergebens kennen zu lernen wünsch-ten, und so vielem Neuen und Abwechselnden entgegensehen; dennwenn man so ein fünfzig bis sechzig Jährchen mitgemacht hat, isteinem doch Alles bei Gott alltäglich und gleichgültig, man ist lebens-satt und reisefertig. Das einzige Unangenehme bei der Sache ist frei-lich, daß man gewöhnlich absegeln muß, wenn man sich soeben erstrecht eigentlich eingerichtet hat, gerade wie auf Reisen, wenn mansich in einer großen Stadt orientirt hat und der Landessprache rechtHerr geworden ist, oder wie Moses, nachdem er vierzig Jahre mitIsrael in der Wüste marschirte, der vom Berge aus Canaan vor sichsah; indessen man reist, weil es so sein muß, und so ist es ja auch