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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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mit der größten und letzten Reise. Weit ärgerlicher scheint mir in manchenAugenblicken das Vergessenwerden, ärgerlicher beinahe als das Sterbenselbst. Wenn Mancher in den ersten Monaten wieder komme», sehen undhören könnte, wie man von ihm spricht, wie man über ihn lacht, und wieAlles reinweg vergesse» nud verschmerzt ist, er wurde auf der Stellezum zweiten Male sterben. Doch werde» auch Viele nach dem Todeerst recht geliebt und geschätzt; ihr Fall ist rühmlicher, als ihrganzes Leben, wie der Fall des letzten Constantins und seines Reichesglorreicher war, als die ganze Regierung der bvzantinischen Mönchs-kaiser, deren Verlust das aufgeschreckte Europa erst dann fühlte, alsder Halbmond statt des Kreuzes auf S. Sophia glänzte und Mnha-med II. über den Palast der alten Cäsarcn ausrief: „Die Spinnewebt ihr Gewebe in der Wohnung, und von den Thürmen schallt derNachtgesaug der Eule!"

Viele werden auch schon bei Leibesleben vergessen, wenn sie sichein paar Iährchen nicht mehr sehen lassen oder versetzt werden. Diekleinste Erbschaft lindert den Schmerz über den traurigen Hintritt deswerthen Verewigten, und ist die beste Trösterin, welche Sterbendehinterlassen können. Die Furcht erscheint in fast jedem Sterbehausein doppelter Gestalt; der Kranke fürchtet zu sterben und die Nicht-kranken fürchten, daß er nicht sterbe. — Stehet auf und lasset uns vonhinnen ziehen Vixi st gaem «tsclorat oursrim tortuna, xeregi! ' Nochscheuer ist eS, wenn man mit Paulus sagen kann: „Die Zeit meinesAbschieds naht, ich habe einen guten Kampf gekämpft, den Lauf voll-endet und Glauben gehalten, mir wird beigelegt die Krone der Ge-rechtigkeit."

Man kann sich mit dem Tod familiarisiren, ohne gerade wie Kart-häuser ein ewiges Aomsnto nwrr ^ zu murmeln, im hölzernen Schlaf-rock, im Sarge zu schlafen, oder mit Maria Theresia in die Kapuziner-gruft hinabzusteigen, ohne über den Betrachtungen des Todes zu ver-gessen zu leben, ohne mit Cicero und Seneca ewig zu wiederholen:„Daß man sein Leben damit zubringen müsse, sterben zu lernen," wassich im letzten Viertelstündchen am besten lernen läßt, und ohne mitden Herrnhutcrn bei jedem Bettgang an den Grabesgang zu denken,zu welchem Ende sie in ihren Schlafsälen Grablegungen Christi ge-malt haben, deren täglicher Anblick aber endlich so gleichgültig wird,als eine daliegende Venus von Titian oder eine Magdalene von Bo-

r Wahrlich, ich habe gelebt und den Lauf der Bestimmung vollendet.

2 Denke an den Tod.