256
Gräber und Urnen in englischen Gärten verbreiten die nämliche sanfteWehmuth, wie ein Gottesacker, oder ein st eZo in L.roaäia > in einerLandschaft von Ponssin; aber man muß allein sein. Wenn es unsererSprache nach geht, so ist Niemand vertrauter mit dem Tode, als diedeutsche, denn wir haben eine Menge ernste und komische Ausdrücke,die sterben bezeichnen. Vsleoms svsr smilos, k'ars^sll Aoes outsiZkinK. ^
Die Betrachtungen des Todes scheinen durchaus Einsamkeit zuerfordern, daher sind sogenannte Todtenfeiern, Leichenschmäuse undLeichenbegleitungen ehrenhalber die schlechtesten Llsmsnto, und so auchLeichenprcdigten, worüber man einschläft:
„Denkt an das Ende doch!" schreit, daß er bersten möchte,
Der dicke Pastor Blau. Wenn er doch selbst dran dächte!
und jener Kapuziner dachte gar nichts, der seine Leichenpredigt in diehergebrachten drei Treffen theilte: Von der Vorbereitung zum Tode.1) Vor dem Tode, 2) im Tode, 3) nach dem Tode. Der humo-ristische Herr von D. zu Moskau, als er zur Leichenbegleitnng einesMannes, dessen Freund er aber nicht war, gebeten wurde, ließ seinenWagen mit sechs Pferden und Bedienten, in großem Trauerkostüme,anrollen; man kain entgegen; die Bedienten öffneten den Schlag, undsiehe, es sprang ein schwarzer Pudel heraus mit einer Visitenkarte inder Schnauze! Bei der Todtenfeier eines meiner Freunde saßen wirstill, dunkel gekleidet, gegen Mitternacht um den mit Wein und Kuchenbesetzten Tisch, in dessen Mitte Spiritus brannte im schwachen bläu-lichen Lichte — das Lämpchen des Lebens! Wir saßen Alle bleich wieder Abgeschiedene, sangen mit gedämpfter Stimme: „Wie sie so sanftruhen," weinten und tranken aufs Wohl der Vorangegangenen; wirtranken und tranken, und endlich wurde über der Freude der Tod unddie Todten vergessen. Und diese Erheiterung scheint mir bei denalten Leichenschmäusen zu Grunde zu liegen; in Spanien singt mandabei ein Lied: Vivs, ol muvnto! ^ und bei uns wurden nicht seltendie Pokale geleert: „Auf die Gesundheit des selig Verstorbenen!"Sonderbar scheint es indessen, daß wir mit dem Eintritt in die Weltund unserer Entstehung etwas Niedriges verbinden, mit unserem Aus-gange und Tod aber etwas Ehrwürdiges: man zündet Lichter an umden Verstorbenen und expedirt ihn am hellemTage, oft mit Trompeten
i Auch ich bin in Arcadien u. s. w. — 2 Das Willkommen lächelt stets, der Abschiedentfernt sich seufzend. — 3 Es lebe der Todte!