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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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ben zu werden nach Anleitung der Textcsworte: Jercmias XXII. 19.Es gibt keinen Reim auf Mensch, denn er ist ein ungereimtes Ding.

Unter lustige Grabschriften rechne ich noch gar viele Leichenredenund die Todesanzeigen in den Zeitungen, die die Grabschrift garVieler allein ausmachen. Wir Sterbliche entschlummern alle an denFolgen der Sterblichkeit; aber man lese, wie viel unnöthigcs, ver-schraubtes, cmpfindelndes, gelegenes, unwahres, hypokritisches undhypcrästhetisches Zeug hierüber gedruckt und selbst gepredigt wird.Da meldet die Frau eines Kaufmanns den Hintritt ihres Theuren,an apokalyptischen Zufällen vom Fall eines Londoner Hauses empfind-lich getroffen; dort zeigt eine junge Wittwe höchst unüberlegt den Todihres guten Alten mit der Versicherung an, „daß ihr Auge um denSeligen unaufhörlich triefen werde," und hier lamentirt ein Pfarrerwie ein Jeremias über den Tod einer achtzigjährigen Schwiegermutter,wie um eine Geliebte von achtzehn, und sagt noch zum Ueberflußseinem Schulmeister, der ihm naturgemäß Glück wünscht zur reichenErbschaft, die Ihre Hochwürdcn wirklich in Empfang zu nehmen imBegriff sind: „Ach, das ist mir ein saurer Gang!" — „Gott hatunser liebes Kind an den Zähnen zu sich genommen," ist eben eineder gewöhnlichen verfehlten Metaphern, da es durch Erfahrung be-kannt ist, daß nur ungeschickte Dentisten die Menschen an den Zähnenzu Gott ziehen; aber wer bemerkte nicht sogleich die transcendentaleTendenz in der Anzeige: „Heute verschwand mein geliebter Vater ausder Welt der Erscheinungen," und wie naiv mußte mir nicht eine an-dere Anzeige: „uns tröstet allein die Hoffnung künftiger Erhöhungund weiterer Ausbildung menschlicher Kräfte," erscheinen, da ich dasunvollendete selige Rindvieh zu kennen die Ehre hatte! Gar nicht übelist auch der Druckfehler: entlief für entschlief, denn leider nur zuViele entlaufen ihren Gläubigern oder dem Zuchthanse und Galgen;und so auch der Ausdruck: „Gott hat unsern Geliebten durch den Todzu sich genommen"; wie denn anders ? soll er ihn lebendig gen Him-mel führen wie Elias und Andere? Indessen kann man bei unsernTodesanzeigen auch sich freuen und sagen: Im Grunde sind die Men-schen doch gut und man erfährt es nur zu spät erst aus diesen An-zeigen, wie sie so gut waren, und wie edel ist nicht: „die Condolenzwird verbeten!" Das Wort äs mortuis nil nist bsno ist doch zu vielverlangt; wir wollen aus bsns allenfalls vors ^ machen, zumalen derTodte nicht mehr gehört werden kann; aber wie in aller Welt kaunl Von den Todten mir Gutes. — Wahres.