Band 
Erster Theil.
Seite
253
JPEG-Download
 

Scheinfriede.

253

mit ihrer Nichte zu reden. Nur verlangte jetzt der König aus-drücklich, daß, wenn der Erzherzog — wie es bereits wahrscheinlichwar — sterben sollte, ohne Kinder zu hinterlassen, dann die Nieder-lande an Frankreich fielen. Nach dem aber, was wir schon früherüber die Auslassungen Heinrich's in Betreff jener Heirath mitge-theilt haben, ist es wahrscheinlich, daß er am Ende selbst auch vondieser Bedingung Abstand genommen hätte.

In Spanien waren die Meinungen über diesen Schritt desfranzösischen Monarchen getheilt. So ernst hatte Lerma seine Er-öffnungen an den Nunzius wohl kaum gemeint. Er hatte Frank-reich nur einstweilen begütigen und es in Hinsicht auf die Nieder-lande gewinnen wollen. Die Debatten im Staatsrathe waren hitzig.Die einen glaubten, man dürfe diese Heirathsverbindung nicht miß-achten, wenn Heinrich sie öffentlich und direkt verlange. Anderedagegen verwarfen diese Vermählung ganz, denn entweder würde siedurch die Verbindung Flandern's mit Frankreich Spanien schwächen, odersie würde gar einmal dem feindlichen Hause der Bourbonen den spani-schen Thron verschaffen. Die Förmlichkeit und steifleinene Ceremo-niosität der spanischen Regierung gab endlich den Ausschlag. Siebeschloß, daß zwar im Geheimen Tassis die wahren GesinnungenHeinrich's über diesen Gegenstand zu erforschen suchen solle, manaber öffentlich la Bruyere antworte, die Heirath werde nur auf for-melle und direkte Unterhandlungen hin abgemacht werden können.')Darauf war wieder einstweilen alles still, außer daß der Papst vonZeit zu Zeit auf diesen seinen Lieblingsgedanken zurückkam. Hein-rich aber war durch diese Zurückweisung auf das tiefste verletzt.Als die Spanier im Frühjahr 1603 wieder in allgemeinen Aus-drücken auf die Vermählung anspielten, mußte sein Gesandter Bar-

') N8. Cons. des sp. Staatsr. v. 19. Dez. 1602, 22. Febr. 1603; Arch.v. Sim., L. 1426.

-) Depeschen Bcthunc'S vom 14. Jan, 12. Febr. 1603; 8iri, Nsm. rso.,I, 175 ik; eto.