Band 
Erster Theil.
Seite
277
JPEG-Download
 

Scheinfriede.

277

merk: es fehlte nur an einem äußeren Anlasse, um dieses Verhältnißin die Form einer gegenseitigen Allianz zu bringen. Die Spaniererkannten dies sehr wohl, und während ihre Ungeschicklichkeit undihr Stolz sie verhindert hatten, Savoyen von einer solchen Schwen-kung abzuhalten, suchten sie jetzt eine Genugthuung in Akten klein-licher Rache. Die savoyischen Prinzen fanden bei ihrer endlichenAnkunft in Spanien.einen sehr unfreundlichen Empfang. Ebensoließ der alte grimme Fuentes keine Gelegenheit vorübergehen, woer dem Herzoge seinen Unwillen bezeigen konnte?) Vielleicht wärees den Spaniern durch eine kluge, konzentrirte und energische Po-litik in diesem Augenblicke noch möglich gewesen, Karl Emanuelzurückzugewinnen, besonders da dieser bei Heinrich IV. nicht ganzdas gehoffte Entgegenkommen gefunden hatte. Aber durch ein solchesschroffes Auftreten gegen Savoyen begünstigten sie nur die ruhigaber sicher fortschreitende Politik Heinrich's Karl Emanuel gegen-über. —

Dieser Gewinn Savoyen's durch Heinrich IV. war allerdingsim Gegensatze zu Spanien geschehen: indeß er war doch kein offenerAkt der Feindseligkeit und konnte schließlich noch mit den guten Ge-sinnungen vereinbart werden, die Heinrich zwischen Frankreich undSpanien immer wieder herzustellen angeblich bestrebt war. Aber diegänzliche Unnatur eines friedlichen Verhältnisses zwischen den beidenGroßmächten zeigte sich von neuem im Oriente, wo die Politik derselbenschnurstraks auf einander traf. Wir wissen schon, wie Heinrich IV.die Türken gegen den Kaiser aufhetzte; noch wichtiger mußte es ihmsein, sie mit Spanien selbst in Konflikt zu bringen. Es bedurftehierzu auch kaum seiner Bemühungen. Während Frankreich schonseit Franz I. in freundschaftlichem Verhältnisse zu den Türken standund dasselbe in allen Zeiten zu konserviren und zu befestigen ge-

i) Instruktion an Fresnes, 2. Sept. 1603. — FreeneS an La Boderle,3. Okt. 1603, rc.; Lind. äs §r,, t. II- I. IH. x. 152 L — 8Iri, Asm. rse.,1. 353. — Ueinriyns äi 8nvoin äi Urnne. 1'riuli (1604) bei Lnr. s Lereb.,HI., I. 53.