Scheinfriede.
297
mung gegen Spanien, noch andere italienische Fürsten standen, vonder Weite der spanischen Eroberungsgier erschreckt, mit Frankreichin vertrauten Unterhandlungen. Savoyen war ganz auf die fran-zösische Seite getreten und wäre sicherlich bereit gewesen, zur Er-oberung des Mailändischen die Waffen zu erheben. So konnteFrankreich einer ziemlichen Macht gegen Spanien sicher sein, wennes dasselbe durch Unterstützung eines Moriskenaufstandes in seinemInnersten, an seiner Herzader angegriffen hätte. Heinrich beab-sichtigte wahrscheinlich, nicht sogleich einen offenen Krieg gegen Spa-nien zu beginnen, sondern einstweilen nur den Morisken einen glei-chen Beistand zu gewähren, wie den Holländern, durch einige fran-zösische Regimenter und durch einige hunderttausend Ecus. SollteSpanien >— hierauf mußte er sich wohl gefaßt machen — darüberden Krieg an Frankreich erklären: nun, so brauchte das mit denMorisken verbündete Frankreich, der Mitwirkung der Holländer, derTürken und einiger italienischen Fürsten sicher, denselben auch nichtzu scheuen. So glücklichen Chancen gegenüber verzichtete Hein-rich auf die rein defensive Stellung, die er bis jetzt inne ge-halten hatte.
Mehrere Monate wurde La Force durch die erwartete Ankunftneuer maurischer Abgeordneter aufgehalten, die endlich Mitte Oktoberl604 anlangten und die Vollmacht zur Abschließung eines Bündniß-vertrages mitgebracht hatten. Noch am Anfange November kamLa Force in Fontainebleau an, wo der König sich damals geradeaufhielt?) Heinrich, welcher seine Ankunft schon längst erwartet,hatte inzwischen auch daran gedacht, mit den Holländern anzuknüpfen,um ein engeres Bündniß, ein verdoppeltes Aufbieten der beider-seitigen Kräfte mit ihnen zu verabreden. In der Absicht, dies ein-zuleiten, hatte der König im August den Herrn von Buzanval, sei-nen Gesandten im Haag, der den Holländern sehr geneigt war, undHerrn von Vic, den Gouverneur von Calais, einen anderen Freund
') Briefe La Foree's an seine Frau; Lorrssx., I. 380 E.