Band 
Erster Theil.
Seite
318
JPEG-Download
 

318

Viertes Kapitel.

Heinrich IV. habe gar keine Besitzungen in Italien, zu deren Ver-theidigung er durch ihr Land zu ziehen habe, und den Venezianernhätten sie Durchzug nur für den Fall versprochen, daß dieselbeneinen Vertheidigungskrieg zu führen hätten: und dann würden dieSpanier gern in den Durchzug willigen. Mit dergleichen Schein-gründen suchte er diese noch rohen Menschen zu täuschen.') Undda er zugleich alle Vortheile verhieß, wenn sie ihm zu Willensein wollten, so war es ihm wirklich gelungen, vier der bündneri-schen Gemeinden zu gewinnen. Dieselben bestimmten auch dieübrigen Kommunen, gemeinsam Gesandte an Fuentes zu schicken,um sich mit diesem über einen befriedigenden moärm vivsncki zueinigen. Kaum waren die Gesandten in Mailand, als der Gover-nator alle Künste spanischer Politik spielen ließ. Die Rhätierwurden auf das ehrenvollste aufgenommen, prächtig gespeist, reichbeschenkt. Dem imponirenden Wesen des Grafen und zugleichseinem gewinnenden Benehmen vermochten die rauhen Sohne desGebirges nicht zu widerstehen, und nach kurzer Verhandlung unter-zeichneten sie eine Reihe von Artikeln, welche die früheren Verträgegrößtentheils aufhoben und den Spaniern überaus günstig waren,indem sie die Bünde der Politik des jedesmaligen Governators vonMailand vollkommen unterwarfen, ch Die Sache der Spanier schienhalb gewonnen, Frankreich und Venedig auf dem Punkte, eineempfindliche Niederlage zu erleiden.

Fuentes wußte trotzdem, daß er mit diesem Vertrage von Mai-land — den er übrigens erst am 25. August ratifizirte — seinenZweck noch nicht erreicht, daß er vielmehr noch große Schwierig-keiten zu überwinden habe, ehe er denselben von der Volksversamm-lung der Bündner genehmigt sehen würde. Mit vollen Händentheilte er die spanischen Dublonen unter den einflußreichsten und

') Norosini, 643.

2) ?. Nnttliisu, II. 321 ^ il. — Dieser inailänder Vertrag ist vollständigabgedruckt bei ^breu ^ öertncksaw, Iratnäos, I. 229 tk.