Band 
Erster Theil.
Seite
325
JPEG-Download
 

Scheinfriede.

325

noch darüber empfangen hatte, eröffnete er, daß der Lieblingssekretärdes französischen Ministers des Aeußern, des Herrn von Villeroy,.der intimste Vertraute desselben, der Mitwisser aller Staatsgeheim-nisse, Nikolas l'Hoste, den Spaniern verkauft war und ihnen alledie Depeschen, deren er habhaft werden konnte, in Kopien mittheilte(Anfang Mai). So waren alle die in den letzten Jahren französi-scherseits gegen Spanien geplanten Unternehmungen sofort in Valla-dolid bekannt geworden. Zumal die Instruktionen Villeroy's anBarrault waren stets eher in den Händen Lerma's als in denjenigenihres Adressaten gewesen. Alle Vorbereitungen wurden getroffen,um in äußerster Heimlichkeit die Dinge zur Einkerkerung und Ueber-führung l'Hoste's reif zu machen; aber als man ihn eben gefangennehmen wollte, war er schon vorher von den Spaniern gewarntworden, und entfloh. Man setzte ihm nach, und bei dem Versuche,sich zu retten, ertrank er in der Marne, in der Nähe von LaFerte. Sein Körper wurde herausgefischt, einbalsamirt, nach Parisgebracht und hier auf dem Greve-Platze von vier Pferden öffentlichzerrissen (19. Mai 1604). st

st Wer die überaus interessante und romantische Geschichte l'Hoste's undder Entdeckung seines Vcrrathes nachlesen will, findet sie ganz ausführlich, bisin das kleinste Detail bei I'. 6axet, 6kr. ssxt., y. 293—300. Etwas minderausführlich berichten über diese Thatsachen 15 Unlüsten, II. 310 L 1k.; 8nyxl.ü I'Lst., 367 k.; äs Hion, I. 132; Vnxtsix, 354 1k.; Xllevenlstller, ^nn. Ikorä.VI. 2889 K. sie. Aktenstücke U8. krany. der Libl. Inax. zu Paris, vol. 4020p. 240, 241; Uöinoirso äs Villeroy bei Meinet konj., I-, XI., 256 1k. AuchSulky erzählt eingehend von dem Verrathe l'Hoste's (Oeo. ro^., ein 132p. 541 1k. sä. Niotinnä st kousonlat). Er bemüht sich aber, Mlleroy selbstals mit den Spaniern in Verbindung stehend, als den eigentlichen Anstifterl'Hoste's darzustellen. Ja, noch mehr, er theilt sogar einen Brief des Königsan ihn selbst mit, in welchem Heinrich seinen Staatssekretär förmlich des er-wähnten Verbrechens anklagte. Und dieser selbe Heinrich behielt auch fürder-hin Villeroy als seinen ersten und bedeutendsten Minister bei! Im ersten Augen-blicke ist dies vollkommen unerklärlich, aber das Räthsel löst sich, wenn wir denCharakter Sully's und seiner Memoiren in Betracht ziehen. Ich werde später,in einem besonderen Exkurse, ausführlich die Motive und Gesichtspunkte vonSully's Memoiren darzustellen und hieraus die unumgänglichen Schlüsse wegender Glaubwürdigkeit der Oeconomics royales zu ziehen suchen; indeß es ist