Band 
Erster Theil.
Seite
327
JPEG-Download
 

Scheinfriede.

327

den Herr' de la Force gefangen nehmen und zur Abnrtheilung nachParis abführen ließ. Ebenso wurde ein Hauptmann Piedefort, derseit langen Jahren mit den Spaniern in Verbindung stand, undauf den man oft vergebens gefahndet hatte, endlich gegen Schlußdes Jahres 1604 gefangen genommen nnd auch nach Paris ge-bracht, wo der König mehrere geheime Dinge von ihm zu erfahrenhoffte. Ein Portugiese, der sich aus Furcht vor der spanischen In-quisition nach Bearn zurückgezogen und dann doch — ähnlich wieRafis — den Spaniern als Spion gedient hatte, wurde zu den Ga-leeren verurtheilt.') — Auf diese Weise war eine Menge von spa-nischen Söldlingen in Frankreich entdeckt, unschädlich gemacht undbestraft worden. Und doch so groß war die Verwilderung des Ein-

zuzahlen. Alle Reklamationen d'Ossat's, alle Empfehlungen, die demselben zu„Theil wurden, blieben fruchtlos. Dieser Prälat bezog nichts mehr aus den„Kassen des Staates, dem er die wichtigsten Dienste geleistet hatte. Zum Pur-„pur erhoben nur durch sein Verdienst, ohne Vermögen, ohne hohe Geburt„(was Sully ihm schändlicher Weise vorzuwerfen pflegte), als das Orakel der„Diplomatie betrachtet, zum Bizeprotektor der Angelegenheiten Frankreich's am„römischen Hofe erhoben, sah er sich inmitten des Reichthums des h. Kollegiums„auf die Einkünfte seines Bisthums Bnyeux beschränkt, die für diesen hohen„Rang sehr unzureichend waren, und er verblieb in dieser Bedrängniß bis zu„seinem Tode.

„Genöthigt, diese unrechtmäßigen Handlungen Sully's hervorzuheben, um meh-rere Schwierigkeiten in dieserKorrespondenz aufzuhellen, tragen wir doch der Leiden-schaftlichkeit in der Kritik Marbault's Rechnung, wenn er beständig Rosny vorwirft,„falsche königliche Briefe fabrizirt zu haben. Jedoch es ist unmöglich, nicht we-nigstens Abänderungen (altöiations) in einer gewissenZahl von„Briefen dieser Memoiren anzuerkennen. Nun, die häßliche llnwahr-„schcinlichkeit der Insinuationen Sully's gegen Billeroy würde uns bis zu einem„gewissen Punke autorisiren, hier eine Abänderung zu argwohnen. . . . Zugeben

wie Sully es so deutlich, wie er nur kann, zu verstehen giebt — daß Vil-„lcroy für sich selbst der Verzeihung Heinrich's IV. bcnöthigt war, und daß„dieser Fürst die Thorheit (oxtravaAnnos) beging, als ersten Minister einen„Menschen zu behalten, dem er ein solches Verbrechen zu verzeihen gehabt: so„etwas können kaum die Verblendung und die Leidenschaft der häßlichsten Ri-valität erklären."

Ich kann mich dieser Darlegung und diesem Urtheile -kivrey's nur an-schließen.

-) Im I'oroe, I. 171 L