Band 
Erster Theil.
Seite
330
JPEG-Download
 

Viertes Kapitel.

330

auch keinen so geradezu brechen. Die Bündner beschlossen deshalb,von diesen widerspruchsvollen Verträgen einstweilen ganz abzusehen,und nur, wozu sie sicher berechtigt waren, von dem GrafenFuentes die völlige Schleifung seines Forts bei Neu-Comv zu for-dern und ihn, wenn er diesem Wunsche nicht nachkommen wolle,mit der Gewalt der Waffen zu bedrohen. So schienen faktisch dieBündner sich ganz der französisch-venezianischen Allianz zu widmen;denn es war von Beginn an unzweifelhaft, daß der finstere hartnäckigeFuentes in die Zerstörung des Forts, daß er mit seinem eigenenNamen geehrt hatte, nicht aus freien Stücken willigen werde?)

Der Papst, der von den Venezianern um seine Vermittelungin dieser Angelegenheit angegangen wurde, lehnte es ab sich mitderselben zu befassen.?) Der Krieg schien unvermeidlich.

In der That begannen die Feindseligkeiten zwischen den Bünd-nern und Mailand sehr bald. Fuentes drohte, wenn die Rhätiernicht von ihren Forderungen abstünden und den Vertrag von Mai-land hielten, so werde er sich des Veltlin's bemächtigen. Er machtewirklich von seinem Fort aus verschiedene Raubzüge in das Thalder oberen Adda, plünderte dort die Unterthanen der Bunde undnahm eine Anzahl derselben gefangen mit sich fort. Die Bündner,um sich zu vertheidigen, hoben sechs Compagnien, jede zu 300 Mann,aus (Spätherbst 1604); indeß bis zu einem offenen Kampfe wag-ten sie es nicht zu treiben und erschöpften sich einstweilen inDrohungen.

Was unternahmen nun die Alliirten der Bünde, Venedig undFrankreich, als jene von der erdrückenden Uebermacht Spanien's an-gegriffen wurden? Die Venezianer stellten sich aufs äußerste überdes Grafen Fuentes' Friedensbruch erbittert. Sie beschicken denfranzösischen Gesandten, de Fresnes, in den Senat, um mit ihm

') Idiä., 325 L L - 4'Iion, I. 134.

2 ) Dep. Bethune's (Gesandten in Rom), vom 30. Juni 1604; bei 8iri,Nein. ree., I. 200 k.