Band 
Erster Theil.
Seite
346
JPEG-Download
 

346

Viertes Kapitel.

lich gesinnt sei, auf den er vielleicht noch direkter zählen könne, alsauf Klemcns VIII.

Schon Ende Oktober 1604 ertheilte der französische König sei-nen Kardinälen: Joyeuse, Givry, Sourdis, Serafin und Du Per-ron — d'Offat war in demselben Jahre gestorben — vorläufige In-struktionen für das zu erwartende Konklave. Sie sollten unter ein-ander in Einigkeit zusammen halten und zugleich ihrer Pflichten alsgute Kleriker und als gute Franzosen sich bewußt sein. Es sei noth-wendig, daß kein Papst von leidenschaftlicher und parteiischer Ge-müthsart — d. h. kein Freund der Spanier — gewählt werde.Heinrich unterschied deshalb die Kardinäle in drei Klassen. Die erstebestand aus solchen Kardinälen, die er, als Spanien allzu günstig,gänzlich verwarf; unter ihnen waren die bedeutendsten der fanatischeSpanierfreund Gregorio Petrochi von Montelparo und der rechts-gelehrte Sammler der „Entscheidungen der Rota", Lorenzo Bian-chetti aus Bologna. Die zweite Klasse umfaßte diejenigen, welcheHeinrich begünstigte, und von denen er einen auf den päpstlichenStuhl erhvb'en wünschte; und unter diesen sind Alessandro de'Me-dici, Kardinal von Florenz, sowie der berühmte Geschichtsschreiberder Päpste, Baronius, zu nennen. Endlich in der dritten Klaffebefanden sich Kardinäle, wie der zurückhaltende Camillo Borghese,der schlaue Politiker Pinelli, der Rechtsgelehrte Tosco, welche Hein-rich weder begünstigt noch befeindet haben wollte. Die fünf fran-zösischen Kardinäle sollten sich nun bemühen, eine möglichst günstigeWahl herbeizuführen; dem Säumigen werde er — der König —so viel Abbruch thun, wie er nur im Stande sein würde; Joyeuse,als der älteste unter ihnen und zugleich als der Protektor Frank-reichs in Rom, solle ihm über Alles Bericht erstatten.') — Eiligstbegaben sich die sämmtlichen französischen Kardinäle nach Rom: mitFreudenthränen nahm sie Kleineres auf, da er nun sicher war, daßder spanische Einfluß nicht ausschließlich das Konklave nach seinem

') Instruktion v. 28. Okt. 1604; t6. m., VI. 315 L