Band 
Zweiter Theil.
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Zweites Kapitel.

zu Tage, je mehr sie es von vorn herein auf dergleichen Ent-deckungen abgesehen hatten, und je weniger Gewicht sie auf genaueKonstatirung der Thatsachen legten. Einkerkerungen und Hin-richtungen in großer Zahl fanden unter den unglücklichen MoriskenStatt. Ueber ganz Spanien verbreitete sich ein blinder Schrecken.Von den Priestern aufgebrachte Wundermärchen gingen vvnMunde zu Munde. In Valencia hatte man während mehrererTage eine glänzend weiße, mit blutigen Streifen durchzogeneWolke gesehen. Ein Bild der Jungfrau war — ein häufiges Mi-rakel! — ganz mit Schweiß bedeckt erschienen. In Daroca hattesich in dem Augenblicke, wo eine Prozession das Kloster verließ,in den Lüften ein schreckliches Getöse von Trommeln und Trom-peten vernehmen lassen.') Die mit so vieler Beharrlichkeit, sogroßem Eifer gepflegte Saat der klerikal-politischen Partei begannendlich zu reifen. Der Riß zwischen alten und neuen Christenwar so erweitert, die Feindschaft zwischen ihnen so groß gezogen,daß das, was König, Minister, Geistlichkeit, Adel, Volk noch vorkurzem verworfen hatten, sich immer mehr allen als Nothwendigkeitaufdrängte.

Vor allen war der Herzog von Lerma jetzt von dieser Noth-wendigkeit, mit den Morisken ein Ende zu machen, überzeugt.Zweimal hatten ihre Umtriebe ihn in feiner Ruhe und seinen Ver-gnügungen gestört; und das war eine Sünde, die ihnen nicht soleicht vergeben wurde. Im Beginne des Jahres 1608 legte derKönig den Staatsräthen so wie mehreren Theologen, auf BetreibenLerma's, die Fragen vor: ob es für das Staatsinteresse nützlichwäre, wenn die Morisken vertrieben würden? und ob dies nichtgegen das Gewissen liefe? Der Staatsrath, so. wenig er auchzur Leitung der großen Politik geeignet war, zeigte sich doch auchhier, wie fast immer, besonnener und einsichtiger, als der Königund sein Günstling. Die Mehrheit der Räthe hatte den Muth,

') Lleäit 021 ff. — konseea, lusta kxputsion.