Band 
Zweiter Theil.
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Zweites Kapitel.

Indessen der Zelotismus Nibera's und der quietistische EgoismusLerma's — der sich wohl auch aus den Gütern der Vertriebenenneue Reichthümer zu verschaffen hoffte — bedurften des Deckmantelsder Religion, um ihre entsetzliche Härte einigermaßen zu beschönigen.Dieses Mal gelang es leicht, eine Versammlung gelehrter Theo-logen zu der mit Sophismen verbrämten Erklärung zu bewegen:'es sei erlaubt, so viele christlich Getaufte in die Berberei hinüberzu senden, selbst aus die Gefahr hin, daß sie den Krallen des Is-lam anheimfielen.

So hatte man durch weltliche und religiöse Berathungen dieVertreibung der Morisken scheinbar gerechtfertigt. Damals setztenes auch der Feuereifer und die Konsequenz der Klerikalen durch,den bisher so durchaus abwehrenden Papst für ihre Sache zu ge-winnen.

Im Mai 1608 erschien der unermüdliche Dominikaner Bledavon neuem in Rom, um Paul V. die Angelegenheit vorzutragen,mit der er vor fünf Jahren bei Klemens VIII. so wenig Anklanggefunden hatte. Dieses Mal gelang es ihm, dem Papste die Sachein einem andern Lichte erscheinen zu lassen: England sei ganzketzerisch; in Frankreich herrsche Gewissensfreiheit und existire die Sekteder Politiker d. h. gemäßigten Katholiken — welches die schlimmsteKetzerei fei die jemals existirt habe, und die Autorität der Kircheam meisten bedrohe;') in Venedig beginne leider dieselbe Pestsichzu verbreiten; in Deutschland seien fünf Sechstel der Bevölkerungketzerisch; ebenso seien Flandern, Ungarn, Polen mit Ketzern bedeckt;Spanien sei noch der einzige der Kirche treu gebliebene Winkel,der müsse von Morisken und Maranen gesäubert werden. Bledadurfte feine Sache vor dem Kardinalskollegium plaidiren, seineGegner wurden zum Schweigen gebracht: die spanischen Zeloten

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