Band 
Zweiter Theil.
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Zweites Kapitel.

risken wurden entwaffnet und zur Ruhe ermähnt, die „altenChristen" zur Miliz aufgezeichnet, die beherrschenden Stellungenin den Gebirgsgegenden besetzt. Die Menisken, durch diese Ver-anstaltungen geschreckt, ließen sich durch schändlich heuchlerische Zu-sicherungen und Versprechungen des Vizekönigs') nicht täuschen,sondern trafen alle Vorbereitungen, ihr Vermögen schon vorher soviel wie möglich in Sicherheit zu bringen. Dann wandten sie sichan Heinrich IV. mit der Bitte, daß ihnen die Kolonisirung derLandes — jener öden Halben, die sich am Gestade des Golfesvon Biscaya von den Pyrenäen bis zur Garonne erstrecken —von ihm gestattet werden möchte. Wenn Heinrich IV. moralischenErwägungen einen Einfluß auf seine Entschlüsse gestattet hätte,so würde die einfachste Ehrenhaftigkeit ihn veranlaßt haben, diesen!Volke, daß zumeist seiner Verbindung mit ihm zum Opfer fiel,")den Eintritt in seine Staaten zu erlauben, zumal da diese Leuteso überaus nützliche Bürger zu werden versprachen. Von religiöserIntoleranz kann bei diesen! Könige sicher nicht die Rede sein.Aber die Politik, welche — neben seinen sinnlichen Leidenschaften— die einzige Meisterin Heinrich's IV. war, rieth ihm, den Mo-risken gegenüber mit der größten Behutsamkeit aufzutreten. Stander doch im Begriffe, im Bunde mit protestantischen Fürsten einenKrieg gegen die österreichisch-katholischen Interessen am Rhein —in der jülich-kleveschen Erbschastsangelegenheit — zn beginnen,welcher frommen Katholiken ein großes Aergerniß gab. Dieselbenglaubten ohnehin nicht, daß er jenen Kampf nur um der Politikwillen, ohne jede Rücksicht auf religiöse Motive führte, sondernschrieben ihm vielmehr Feindseligkeit gegen die katholische Religionzu. Begünstigte er jetzt auch die ungläubigen, wegen ihrer Ketzereiaus Spanien vertriebenen Menisken: welch' vorzüglichen Verwand

') Lleäu, (loräuieu, 1045.

2 ) Noch bis zum Jahre 1609 war Heinrich durch die gaskognischeuEdelleute De Panissaut und De Claverie mit den Menisken in Verbindunggeblieben; Lsuoist, Ilistoirs äs I'Häit äs Mutes, Delft 1693, I. 452.