Die Vertreibung der Moriskoö.
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Gerade in Kastilien waren die Ausnahmen der Auswanderung— von den Bischöfen als fromm bezeichnete und besonders seitJahrhunderten gut christliche Familien maurischer Abstammung —sehr häufig. Trotzdem belief die Zahl der Ausgewanderten sichmindestens auf 65,000.')
Nach der überall auf die bescheidensten Angaben basirtenSchätzung waren schon 383,500 Morisken aus Spanien vertrieben,ganz abgesehen von den in Spanien selbst in den Aufständen undan den Strapazen des Weges Verstorbenen, die man mindestensauf 50,000 Menschen berechnen muß. So war Spanien bereitsan 435,000 seiner fleißigsten und tüchtigsten Bewohner beraubt,und noch war die klerikale Wuth nicht befriedigt. Der letzte Ab-kömmling der verhaßten Rasse sollte von dem heiligen BodenSpaniens vertilgt werden. Im Jahre 1611 wurden auch dieMorisken, die man wegen bewährten christlichen Eifers oder weilsie den bereits seit Jahrhunderten christianisirten Familien an-gehörten, zurückgelassen hatte, durch wiederholte königliche Befehlevertrieben. Diese Leute, der Kirche und dem Staate treu ergeben,wurden vom Grafen von Salazar mit der größten Strenge undunter den härtesten Bedingungen in das Elend gestoßen. In denProvinzen der Krone Kastilien betrug ihre Anzahl allein 44,672Personen — durchaus friedliche Bürger und gute Christen.
Jeder verbannte Moriske, der wieder zurückkehrte, wurde mitGaleere auf Lebenszeit bestraft. Um solche Morisken zu entdecken,wurden Kommissionen ernannt, Spione in den Hafenorten an-gestellt. Sie bekamen genug zu thun; seltsame Sehnsucht nachso ungastlicher Heimath oder auch Hoffnung auf Gewinn führtenviele der Verbannten nach Spanien zurück. Im Jahre 1613brachte der Graf von Salazar auf einmal aus nur fünf Dörfern800 solcher Unglücklichen auf die Galeeren; die Kosten des Ver-fahrens mußten die Richter tragen, die, allzu menschenfreundlich,
') Ich folge der offiziellen Berechnung in Lleän's Ooronien, 1053 ik.