45
mußte der venetianische Gesandte in Madrid von dem GrafenOlivares schwere Vorwürfe und Drohungen erfahren: es seiunerhört, wie wenig man in Venedig auf die Vermittelung desKatholischen Königs Gewicht lege; freilich fei es ihm leid, daßSe. Majestät gezwungen werde, den Degen gegen die Republikzu ziehen, aber Spanien könne nicht weniger thun, da man dieAutorität des heil. Vaters mit Füßen treten wolle?) Fernersuchten die Spanier die französische Unterhandlung, die zuerststarken Nachdruck auf die Rückberufung der Jesuiten gelegt hatte,dadurch zu durchkreuzen, daß sie, die bis dahin die eifrigsten Ver-theidiger aller päpstlichen Forderungen gewesen waren, jetzt inVenedig und Rom laut von der Wiederaufnahme der Jesuitenabriethen als aufrührerischer Unterthanen, die sich gegen ihrerechtmäßige Obrigkeit, die Republik, schwer vergangen hätten.Wirklich erlangte Castro von dem Papste das Versprechen, demspanischen Könige zu Liebe auf die sofortige Rückführung derJesuiten verzichten zu wollen?) Aber so laut sich auch Castrodieses Erfolges in Venedig rühmte, so förderte derselbe doch seineUnterhandlung nicht sehr; und deshalb suchten die Spanier dannden Papst und die Kardinäle wider das von Joyeuse betriebeneWerk der Ausgleichung aufzuhetzen?) Frankreich gegenüber wurdewieder einmal der hohe kastilianische Ton angeschlagen. Jrraragamußte nun wirklich in Paris erklären: der spanische König habesich alle erdenkliche Mühe gegeben, die Schwierigkeiten zwischendem Papste und den Vcnetianern beizulegen; aber da sich beideTheile nicht verständigten, so sehe er sich genöthigt, die Sicherheitdes Papstes und des Kirchenstaates zu vertheidigen, und habe erdeshalb die Bildung eines Heeres im Mailändischen anbefohlen.
U Dep. Fr. Priuli's v. 8. März, Lornet 222.
2) Dep. Frcsnes' v. lv. April >>. 528.
3) NelLi!. cli Nriuli 422. — Fr. Priuli ist keineswegs ein Feind
der Spanier.