Band 
Dritter Theil.
Seite
82
JPEG-Download
 

82

Zweites Kapitel.

hatte, in Paris anlangte, ahne holländische Begleitung oder Zu-sicherung für den König, dagegen mit der Bitte an denselben, denGeneralstaaten größere und umfassendere Hülfe zu gewähren, dasie sonst den Krieg nicht würden weiterführen können! Doch hatteBarnevelt den König getröstet: er möge mir nicht eilen, schließlichwerde er doch zu seinem Endzwecke gelangen; es käme nur daraufan, die Angelegenheit richtig und mit Vorsicht einzufädeln! Insolchen unaufrichtigen Andeutungen fand dann Barnevelt ein ge-nügendes Entgegenkommen, um seinerseits nicht weniger als dieVerdoppelung der französischen Hülfe zu verlangen!')

Indessen, wie lange konnten solche kleinen Mittel ausreichen,da Frankreich immer ungeduldiger und heftiger auf eine beträcht-liche Entschädigung für seine Opfer oder gar auf die Einverleibungder gesummten Niederlande hindrängte. Von irgend einer sen-timentalen Neigung für die Holländer war bei Heinrich IV. ebenso wenig vorhanden, wie bei Jakob I. Stach doch vielmehr diesekleine Republik allen Fürsten in die Augen! Der staatskluge underfahrene Heinrich fand es ebenso wie der kindische und sanguinischeJakob ganz natürlich, daß die Holländer vierzig Jahre lang ge-kämpft, gelitten, geblutet hätten, damit einem fremden Fürsten ihreschwer erworbene Freiheit mühelos wie eine reife Frucht in denSchoß falle. Von England völlig im Stiche gelassen, sahen dieHolländer den Zeitpunkt, wo sie sich Heinrich IV. würden ergebenmüssen, um so deutlicher herannahen, als sie im Felde nur Nieder-lagen erlitten. Spinola's überlegene Fcldhcrrnkunst nöthigte denPrinzen Moritz, ruhig zuzuschauen, wie der spanische General dieBelagerung der wichtigen Festung Rheinberg begann. Die An-strengungen der Vereinigten Provinzen waren offenbar ungenügend,neue größere Opfer wurden erforderlich. Das Volk aber, von Ab-

's Dep. Aerssen's vom 7. Okt. 1606; Deventer 90. — AufzeichnungenBarnevelt's, Oktober 1606; das. !>4 k. — Buzeyval an Villcroy, 11. Okt.1606; das. 95 — Barnevelt an Aersscn, 12. Okt.; das. 98. — KI3. DepeschenJrraraga's vom 27., 30. Nov., 13., 27. Dez. 1606.