83
gaben bereits überbürdet, wollte sich zu jenen nicht verstehen. Esschalt auf Frankreich, das nicht genügend Hülfe gewähre, währendes doch beständig zum Kriege treibe; es schalt vor Allem aufMoritz von Oranien und dessen Anhänger, die Kriegspartei, in derHeimath. st Offenbar mußte etwas geschehen, um aus dieser uner-träglichen Lage herauszukommen, zumal Rheinberg wirklich sich am2. Oktober 1606 an Spinola ergab und der unter guten Aus-sichten begonnene Herbstfeldzug des Prinzen Moritz gänzlich scheiterte.
Unter so bedrohlichen Umständen hielten die Generalstaaten esfür rathsam, auf die Friedensanerbietnngen einzugehen, die ihnenseit dem Beginne des Dezember 1606 neuerdings von dem Erz-herzoge gemacht wurden.
Denn diesem drängte sich die Nothwendigkeit eines Friedens-schlusses immer mehr auf. Obwohl Spiuola sein ungeheures Eigen-vermögen von 14 Millionen Goldthalern bereits für die spanischeArmee in den Niederlanden aufgewendet hatte, war man jetzt inBrüssel dermaßen von Geldmitteln entblößt, daß den Truppenmonatelang der Sold geschuldet war; darüber war im Herbst 1606ein Aufstand unter dem größten Theile der flandrischen Armeeausgebrochen, der die gehorsamen Provinzen ihren Feinden gegen-über ohne alle Vertheidigung zu lassen drohte. Schon längst warder Norden von Brabant und Flandern, einst eine fruchtbare undwohlbevölkertc Gegend, in eine furchtbare Einöde verwandelt. Ueberalle Provinzen der gehorsamen Niederlande hin lag der Ackerbaudanieder, war der Großhandel durch die holländischen Kaper- undKriegsschiffe so gut wie vernichtet. Der Kredit der belgisch-spani-schen Regierung war so gründlich zerstört, daß die Geldlente auchdurch das Anerbieten der größten Vortheile nicht mehr zur Ge-währung von Vorschüssen bewogen werden konnten. Albert undZsabella waren kinderlos und wünschten nur um so dringender,den Rest ihres Lebens in Ruhe uud Frieden zu verbringen, da sie
>) N8. Buzcnval an Mllcrov), 26. Sopt. 1606.