Der niederländische Waffenstillstand.
205
immer auffallender, und die Ankunft der amerikanischen Silber-flotte im Oktober gab ihnen neues Leben; sie gestattete, einstweilenfür den flandrischen Krieg eine Summe von 300,000 Goldthalerden Monat auszuwerfen'). Eine offizielle für die Holländerbestimmte Antwort kam aber aus Madrid nicht. Offenbar wollteman dort noch Zeit gewinnen, die Rüstungen weiterführen undinzwischen den Erzherzog und die Holländer ruhig an ihrem Trak-tate arbeiten lassen, um letztem dann mit einem Male zu ver-werfen, mit einem Male die mehr als zweijährigen Friedensbemü-hungen zu vereiteln!
Während die spanische Regierung durchaus nach Krieg zudürsten schien, wurde sie durch die Nachrichten aus Paris nur nochmehr dazu angeregt. Zuerst hatte sie sich in großen Hoffnungenüber Toledo's bevorstehende Erfolge gewiegt. Zumal die Jesuitenam spanischen Hofe, seit ihrer Zurückführung nach Frankreich die-sem sehr ergeben, waren bereits voll Lobes für Heinrich IV., demsie alle guten Eigenschaften, besonders aber eine große Devotionfür Mutter Kirche zuschrieben. „Sie waren so gut französisch ge-worden, wie der Wein von Orleans.")
Nach den ersten Meldungen Don Pedro's war freilich in Madrideine gründliche Enttäuschung eingetreten. Man erkannte sofort mitvollkommener Sicherheit, daß die Mission des Marques von Villa-franca als verfehlt zu betrachten sei. Der Staatsrath beschloß, daßderselbe zurückkommen und einen gemäßigtem, schmiegsamem undgeschultem Diplomaten, dem Don Jnigo de Cardenas, der als Ge-sandter in Venedig die französische Diplomatie genau zu studirenGelegenheit gehabt, Platz machen sollte. König Philipp III. bemerkteeigenhändig dazu: „Ausführung ohne Zögern".")
Don Pedro aber hatte gerade damals (Mitte Okt. 1608) an
') Dcp. Udaldini's v. I I. Nov.; Nerrens 186.
2) Dep. Coruwallis' v. ^ Juli; >Vinw. Nem. II. 420.2) U8. Cens. des spii». Staatsr. v. 8. Okt. (Paris).