256
Drittes Kapitel.
vierziger Jahre, ein kleiner magerer Mann, aber von außerordent-licher Behendigkeit, unermüdlich in allen körperlichen Anstrengungen,ein tüchtiger Soldat und Jäger, der nichts so sehr haßte, wie einruhiges, behagliches, gleichförmiges Leben. Während er mit nieversiegendem Eifer und Fleiß jede Einzelheit in der inneren Ver-waltung seines Staates selbst kennen und entscheiden wollte, wah-rend er mit seltener Vielseitigkeit des Geistes zahlreiche poetischeund gelehrte Werke schrieb und entwarf, trug er sich beständig mitweitreichenden Plänen zur Vergrößerung seiner Macht. Gefahrenverachtete Karl Emannel, oder vielmehr reizten ihn dieselben nuran. Obwohl das Glück ihm bisher stets feindlich gewesen, lebteer doch mit zäher Beharrlichkeit in fortwährend erneuten Entwürfenfür die Ausdehnung seiner Staaten, wobei er freilich auf dieheiligsten Verbindlichkeiten, auf Treue, Wahrheit, Recht durchauskeine Rücksicht nahm, sondern nur auf seinen zeitweiligen Vortheil.Mit allem dem war er seit dem Lyoner Frieden in eine höchstunbehagliche Lage gerathen. Gedemüthigt und geschwächt war eraus dem französischen Kriege hervorgegangen; Spanien, dem ersich als getreuester Vasall gezeigt, dem er jede seiner Handlungenerst zur Begutachtung anzukündigen pflegte, hatte ihn schmählichim Stiche gelassen. Alle seine Versuche, mit Frankreich in einbesseres Verhältniß zu kommen, waren anfangs erfolglos geblieben,und nur um so unbedingter mußte er sich der drückenden Ober-herrschaft Spanien's unterwerfen, das, da es seine Sinnesänderungmerkte, ihn für alle Ergebenheitsbezeugnngen nur mit Bitterkeitüberhäufte. Seine Söhne, die er znr lebhaften Unzufriedenheitseiner Unterthanen an den spanischen Hof hatte schicken müssen,erfuhren dort anstatt der erhofften Beförderung eine geflissentlichgeringschätzige Behandlung. Der älteste, Prinz Philipp, wolltedeshalb längst den undankbaren Boden verlassen, und auch derHerzog, in allen seinen Absichten getäuscht, wünschte dringend dieRückkehr seiner Kinder. Aber gerade darum verweigerte die spanischeRegierung die Erlaubniß zu deren Abreise, bis Prinz Philipp am